"Putschversuch" gegen AfD-Gründer Lucke

Der Parteitag der AfD Mitte Juni in Kassel verspricht turbulent zu werden. Die Co-Vorsitzende Frauke Petry hat Parteigründer Bernd Lucke den Fehdehandschuh hingeworfen.

Der Machtkampf zwischen rechtsnationalen und gemäßigten Kräften droht die AfD zu zerreißen. Die Co-Vorsitzende Frauke Petry erklärte am Dienstag, eine Mitwirkung von Parteigründer Bernd Lucke in der Parteispitze sei nach der Gründung seiner Initiative "Weckruf 2015" nicht mehr denkbar. Sie bekräftigte ihre Absicht, am 13. Juni auf dem Bundesparteitag in Kassel für den Parteivorsitz zu kandidieren.

Der liberale Flügel um Parteigründer Lucke hatte wenige Stunden zuvor unter dem Motto "Weckruf 2015" eine Kampagne gegen den rechten Flügel gestartet. Daraufhin veranlassten Petry und der dritte Bundesvorsitzende Konrad Adam, dass Luckes Zugang zum Mailverteiler an alle AfD-Mitglieder gesperrt wurde. Lucke bestritt am Dienstag Vorwürfe, er bereite mit dem "Weckruf" die Gründung einer neuen Partei vor. Ihm gehe es vielmehr darum, eine Spaltung zu vermeiden und die AfD als gemäßigte Partei zu bewahren.

Lucke will die rechtspopulistischen Kräfte in der Alternative für Deutschland (AfD) auf dem Bundesparteitag politisch isolieren. Seine Gegenspielerin ist Petry, die auch Vorsitzende des sächsischen Landesverbandes ist. Unterstützt wird sie vom Brandenburger AfD-Chef Alexander Gauland und dem nordrhein-westfälischen Landeschef Marcus Pretzell.

Lucke und seine Mitstreiter werben auf einer Homepage für ihren neu gegründeten Verein "Weckruf 2015". Ziel ist demnach eine Erneuerung der tief zerstrittenen AfD ohne "Karrieristen, Intriganten und Vertreter der Neuen Rechten". Zu den Unterstützern zählen Ex-BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel und der Hamburger Landeschef Jörn Kruse. Petry sagte, Luckes "Weckruf" sei nicht geeignet, die widerstreitenden Flügel zu vereinen und verunsichere die Mitglieder. Mit der Gründung des Vereins habe er zudem gegen die Satzung der Partei verstoßen und sei deshalb als Mitglied der Parteispitze nicht mehr länger tragbar. Co-Parteichef Adam spottete, der Name "Weckruf 2015" erinnere an die Zeugen Jehovas oder an die Heilsarmee.

Der Chef des Meinungsforschungsinstitutes Forsa, Manfred Güllner, hält eine Spaltung der AfD für unabwendbar. Er glaubt, dass der Petry-Flügel die Oberhand gewinnen werde: "Nach allen Daten, die wir haben, sind die AfD-Anhänger eindeutig am ganz rechten Rand anzusiedeln. Sie sind fremdenfeindlich, kritisch gegenüber dem demokratischen System, sie hängen Verschwörungstheorien an." (Seite 8)
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