Randale wegen Rauchverbot

Zigaretten sind ein wichtiger Teil des Lebens hinter Gittern, sagen die ehemaligen Insassen Ken Casey (links) and Brett Collins. Beide lehnen das Rauchverbot in australischen Gefängnissen daher ab. Bild: dpa

Sie dienen zum Stressabbau und als Zahlungsmittel - im Gefängnisalltag sind Zigaretten das Schmiermittel schlechthin. Australien prescht nun mit einem Rauchverbot vor. In einer Haftanstalt randalierten die Gefangenen bereits.

Die australische Regierung macht dem Glimmstängel in Haftanstalten den Garaus. Nach ersten Versuchen im Land führt am 10. August nun der größte Bundesstaat New South Wales mit etwa 11 000 Gefangenen ein 100-prozentiges Rauchverbot ein. Der für zuständige Minister David Elliott lapidar: "Wenn du rauchen willst, begehe kein Verbrechen, dann kommst du auch nicht ins Gefängnis." Revolten sind vorprogrammiert, glauben Ex-Häftlinge, und die Verwaltungen rüsten sich.

In deutschen Gefängnissen sei ein Rauchverbot kein Thema, sagt der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft Strafvollzug, Anton Bachl. "In den Hafträumen und in ausgewiesenen Bereichen kann geraucht werden."

Folter nennt Brett Collins - einer der wenigen Nichtraucher - das Rauchverbot, Rauchen sei schließlich ein Ventil bei Stress. Er selbst saß in den 70ern zehn Jahre wegen Bankraubs und setzt sich heute mit der Organisation "Justice Action" für die Belange von Gefangenen ein. "Der Richter hat dich schließlich nicht verurteilt, mit dem Rauchen aufzuhören", sagt Collins. "Gefangene akzeptieren es, dass sie für ein Verbrechen Zeit absitzen müssen, aber ein Rauchverbot ist nicht Teil der Abmachung." 85 Prozent der australischen Insassen seien Raucher. Ein Großteil rauche schon seit der Jugend.

Einen Vorgeschmack gab es in Melbourne. Dort gingen 300 Gefangene am Vorabend des Rauchverbots auf die Barrikaden. Sie stürmten auf das Personal los, schlugen Scheiben ein und setzten Inventar in Brand. Erst schwer bewaffneten Polizisten gelang es nach 15 Stunden, die Lage unter Kontrolle zu bringen.

Zigaretten stützen Ordnung

Ken Casey schüttelt empört den Kopf. Er hat gerade 15 Monate wegen Drogendelikten und Waffenbesitzes abgesessen. "Tabak ist im Gefängnis eine Währung", sagt der 41-Jährige. "Es hält die soziale Ordnung am Laufen." In Australien dürfen Häftlinge umgerechnet 67 Euro pro Woche am Gefängniskiosk ausgeben. Fast alle kaufen Tabak. "Du teilst 'ne Kippe mit den Kumpels. Du kaufst dir damit Gefälligkeiten, zockst, knüpfst Verbindungen und sorgst für deine Sicherheit", sagt Casey. "Rauchen ist ein winziges Stück Freiheit hinter Gittern. Nimmt man das weg, haben die Bullen über alles Kontrolle."
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