Raumfahrtnation Russland fehlt weiblicher Nachwuchs
Wieder eine Russin im All

Mit einem Nachtstart wird Jelena Serowa mit Alexander Samokutjajew und Barry Wilmore in einer Sojus-Kapsel zum Außenposten der Menschheit in rund 400 Kilometer Höhe fliegen. Bild: dpa

Der Raumfahrtnation Russland fehlt der weibliche Nachwuchs. Dabei war die erste Frau im Weltraum 1963 eine Russin. Nun fliegt wieder eine Kosmonautin ins All - erst die Dritte seit damals.

Weibliche Verstärkung für den deutschen Astronauten Alexander Gerst: Erstmals seit 17 Jahren fliegt wieder eine Russin ins All. Jelena Serowa soll heute vom Kosmodrom Baikonur abheben - für die Raumfahrtnation Russland ist es eine besondere Mission. Serowa wird erst die vierte Kosmonautin überhaupt im All sein, zudem betritt sie als erste Russin die Internationale Raumstation ISS, wo Gerst derzeit arbeitet. "Ich freue mich auf den Flug, aber ich spüre auch große Verantwortung", sagt die 38-Jährige, die 168 Tage im Weltraum verbringen wird.

Der Weg zu den Sternen war für Serowa wortwörtlich weiter als für andere russische Raumfahrer. Ihr Geburtsort Ussurijsk liegt im Fernen Osten des Landes. Rund 10 000 Kilometer sind es von dort aus nach Moskau. "Als ich klein war, erfuhren wir in der Schule natürlich von den Erfolgen der sowjetischen Raumfahrt", sagt Serowa der Regierungszeitung "Rossiskaja Gaseta".

"Ich verliebte mich damals hoffnungslos in den Sternenhimmel - aber dass ich ihm einmal so nahe komme, hätte ich nie geglaubt", meint die Luftfahrtingenieurin. 2001 schloss sie ihr Studium in Moskau ab und wechselte zum Raketenbauer Energija. Dort traf sie ihren späteren Ehemann Mark, einen Testflieger. 2006 wurde Jelena in den Kosmonautenkader aufgenommen - als einzige Frau.

53 Jahre nach dem legendären Raumflug von Juri Gagarin, dem ersten Menschen im All, ist in Russland die Reise zu den Sternen fast reine Männersache. "Uns fehlen Kosmonautinnen", klagt Witali Dawydow von der Raumfahrtbehörde Roskosmos. Zwar beförderte Moskau seit Gagarins Flug 1961 mehr als 100 Männer ins All - aber nur drei Frauen. Anders die USA, die seit ihrer Premiere 1983 mehr als 45 Frauen in den Orbit geschickt haben.

Dabei war die erste Frau im Weltraum eine Russin. Der Flug von Valentina Tereschkowa am 16. Juni 1963 war für die Sowjetunion auch ein politischer Triumph im Kalten Krieg. Einen "Beweis für die Gleichberechtigung der Geschlechter im Sozialismus" nannte Kremlchef Nikita Chruschtschow den Flug. In der Praxis sah das anders aus: Tereschkowa, die heute als Abgeordnete der Regierungspartei Geeintes Russland im Parlament in Moskau sitzt, blieb bis zur Mission von Swetlana Sawizkaja 1982 zwei Jahrzehnte lang die einzige Frau im All. Als bisher letzte Russin flog Jelena Kondakowa in den Kosmos - das war 1997.

Ingenieurin, nicht Amazone

Für Gagarin waren Raumfahrerinnen "Amazonen des Alls". Der Experte Sergej Woronkow meint aber, dass bei vielen Frauen der Kinderwunsch einer Astronauten-Karriere im Weg steht: "Die Ausbildung dauert acht Jahre, das fördert bei Frauen um die 30 sicher nicht das Interesse an diesem Beruf." Serowa hat sich den Kinderwunsch erfüllt. Ihre zehnjährige Tochter Jelena will aber nicht wie ihre Eltern in die Luft. "Ihr Traumberuf ist Eiskunstläuferin", sagt sie.

Trotz aller "Leidenschaft zum Kosmos" habe Serowa ihre Berufswahl nicht aus romantischen Motiven getroffen, sagt sie. "Mein Mann war drei Jahre vor mir im Kosmonautenkader, und ich konnte genau prüfen, ob ich so etwas auch tun möchte", erzählt Serowa. Sie habe gewusst, worauf sie sich einlasse. "Ich habe so lange dafür trainiert. Jetzt wird es Zeit, dass es endlich losgeht."
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