Razzia bei der Fifa: Blatters Stuhl wackelt

Obwohl zwei seiner Stellvertreter verhaftet worden sind, denkt Fifa-Präsident Joseph Blatter nicht an Rücktritt. Bild: dpa

Die Fifa wird vom größten Skandal ihrer Geschichte erschüttert. Ermittler nehmen sieben Funktionäre fest, darunter zwei Vize-Präsidenten. In der Zentrale werden wegen der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 Dokumente beschlagnahmt. Doch Fifa-Chef Blatter will weitermachen.

Die Fifa steht unmittelbar vor ihrem Wahlkongress vor der größten Zerreißprobe ihrer skandalumtosten Geschichte - und plötzlich scheint sogar die Position von Joseph Blatter als Fifa-Chef nicht mehr unantastbar. Nach einem dramatischen Tag in Zürich mit mehreren Festnahmen und Durchsuchungen in der Zentrale des Fußball-Weltverbandes wurden am Mittwochabend elf aktuelle oder ehemalige Funktionäre provisorisch gesperrt - unter ihnen auch die Blatter-Stellvertreter Jeffrey Webb und Eugenio Figueredo.

Während die Gegner des Fifa-Chefs aus der Uefa nach einer Sondersitzung in Warschau eine Verschiebung des Fifa-Kongresses forderten, verteidigte Blatter sein Krisenmanagement. Eine Absage der Präsidentschaftswahl am Freitag, bei der er für eine fünfte Amtszeit gewählt werden will, sind für den 79-Jährigen keine Option. Seine europäischen Gegner proben allerdings den Aufstand. Der Kongress samt Wahlen müsse um sechs Monate verschoben werden, hieß es in einem Statement unter der Überschrift "Uefa zeigt dieser Fifa die Rote Karte". Es käme auch ein Boykott infrage.

Im Morgengrauen hatten Sicherheitsbehörden unabhängig voneinander an zwei Orten in Zürich Ermittlungen wegen möglicher Vergehen innerhalb des Fifa-Apparats vorangetrieben. Erneut kamen die Beschuldigten aus dem engsten Machtzirkel um Blatter. Ihnen werden organisiertes Verbrechen und Korruption vorgeworfen. Sie sollen seit Anfang der 90er Jahre Schmiergelder von mehr als 150 Millionen Dollar von Vermarktern für die Vergabe von Fußballturnieren erhalten haben. Bestechungsgelder sollen auch vor der WM-Vergabe an Südafrika 2010 gezahlt worden sein. "Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert, um sich selbst zu bereichern", sagte US-Justizministerin Loretta Lynch in New York. "Sie haben es immer und immer wieder gemacht. Jahr um Jahr, Turnier um Turnier."

Unabhängig von den US-Ermittlungen stellten Schweizer Behörden in der Fifa-Zentrale elektronische Daten und Dokumente sicher. Die Bundesstaatsanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022. Es geht um den Verdacht der Geldwäscherei.

Der als Fifa-Kritiker bekannte Ligapräsident Reinhard Rauball forderte leicht verklausuliert den Rücktritt Blatters: "Sepp Blatter - obgleich offensichtlich persönlich nicht betroffen - sollte dem Fußball einen großen Dienst erweisen. So kann es nicht weitergehen." (Seite 9)

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