Reaktion auf massive Zuwanderung: Bayern stockt Zahl der Übergangsklassen von 471 auf 1600 auf ...
Lobende Worte - sogar von der Opposition

Bayern ist sich der Dimension der Herausforderung mehr als bewusst
In Bayern sollen die Angebote zur Integration der Flüchtlinge durch Bildung massiv ausgeweitet werden. Bis zum Beginn des Schuljahres 2016/17 sollen die Übergangsklassen an Grund- und Mittelschulen von derzeit 471 auf 1600 fast vervierfacht werden. In diesen werden Kinder durch Sprachförderung auf den Eintritt in die Regelklasse vorbereitet. Nach Angaben von Kultusminister Ludwig Spaenle stehen dafür im Nachtragshaushalt 2016 28 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere 25 Millionen Euro werden für die Ausweitung der Berufsintegra- tionsklassen für 16- bis 21-Jährige auf 1200 eingesetzt. "Bayern ist sich der Dimension der Herausforderung mehr als bewusst", sagte Spaenle im Bildungsausschuss des Landtags.

Insgesamt sind im Nachtragshaushalt 67 Millionen Euro zusätzlich für den Bildungsbereich vorgesehen. Je 3 Millionen sollen in weitere Deutschförderkurse für Kinder und Jugendliche in den Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber sowie in die Integration entsprechend geeigneter Flüchtlingskinder in Realschulen und Gymnasien gesteckt werden. 10 Millionen Euro hat der Minister für flexible Maßnahmen reserviert. Aus diesem Topf können je nach örtlichem Bedarf Sprachlehrer, Psychologen oder Sozialarbeiter finanziert werden.

2000 neue Stellen

Bis zum Schuljahresbeginn 2016/17 werden an Bayerns Schulen laut Spaenle knapp 2000 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen, die zunächst bis 2019 befristet seien. Außerdem bleiben die rund 1000 Planstellen erhalten, die durch das demografisch bedingte Sinken der regulären Schülerzahl eingespart werden könnten. Die Einstellung der neuen Lehrkräfte erfolge monatlich je nach Bedarf. Nach Angaben Spaenles beträgt der Anteil schulpflichtiger Kinder unter den in Bayern lebenden Flüchtlingen 40 Prozent. Mitte September seien das 40 000 Personen gewesen - "mit großer Dynamik nach oben".

Von der Opposition bekam Spaenle für sein Konzept einhelliges Lob. "Das hört sich doch schon mal ganz gut an", urteilte Margit Wild (SPD). Spaenle habe zahlreiche Anregungen der Opposition aufgegriffen. Allerdings stecke der Teufel im Detail, sagte Wild. Nötig sei die laufende Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte in der Vermittlung der deutschen Sprache und in Trauma-Pädagogik. Zudem müsse die Zahl der Berufsvorbereitungsklassen deutlich stärker ausgebaut werden. Derzeit könnten sie nur von etwa einem Drittel der Berechtigten besucht werden. "Wir dürfen diese vorwiegend jungen Männer nicht auf der Straße stehen lassen", mahnte Wild.

Appell an andere Länder

Gerhard Waschler (CSU) appellierte an andere Bundesländer, ihrer Verpflichtung zur Aufnahme von Flüchtlingen nachzukommen. Trotz gewaltiger Anstrengungen sei Bayern nicht in der Lage, überproportional viele Flüchtlingskinder zu beschulen. Zudem müssten sich die Angebote vor allem an die Schulpflichtigen richten, die mit großer Wahrscheinlichkeit bleibeberechtigt seien. Insgesamt sei die Begrenzung des Flüchtlingszustroms nötig, um das bayerische Bildungswesen nicht zu überfordern, betonte Waschler.
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