Realität und Fiktion

Finanzminister Söder (CSU) tritt in einer BR-Serie auf und spricht über die Erfolge der Staatsregierung. Der Landtags-Opposition passt das nicht. Der BR hält dagegen: Söder hat sich nur ans Drehbuch gehalten.

Der Bayerische Rundfunk gerät wegen des Gastauftritts von Finanzminister Markus Söder (CSU) in der Seifenoper "Dahoam is dahoam" in die Kritik. Söder habe in der Episode mit dem Titel "Politische Wurst-Phobie" breit für die Programme der Staatsregierung werben dürfen, kritisierte Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann am Donnerstag. "Die Aufzählung der vermeintlichen Glanzleistungen der CSU-Staatsregierung hat in dieser Serie nichts verloren", sagte er. "Ich kann nicht verstehen, wie sich der Bayerische Rundfunk hierzu herablassen konnte." Die Folge war am Dienstag ausgestrahlt worden. Söder spielte darin sich selbst und sagte unter anderem auf die Frage einer Bürgermeisterin zur Landflucht der Jugend: "Da machen wir eine ganze Menge. Mehr als jedes andere Bundesland. Bayern ist in der Beziehung Vorbild in ganz Deutschland."

Aktuelle Themen

Der BR verteidigte den Gastauftritt des Ministers. "Die Serie greift als Spiegelbild des täglichen Lebens immer wieder aktuelle Themen, auch aus der Politik, auf", teilte der Sender mit. "Um die Glaubwürdigkeit der fiktiven Charaktere zu unterstreichen, entstand die Idee, auch einen realen Politiker in einer Folge auftreten zu lassen." Söders Dialog mit der Bürgermeisterin sei von einem sechsköpfigen Autorenteam geschrieben worden - "ohne jeglichen Einfluss von außen". "Minister Söder hat sich in seinem Dialog inhaltlich an das Drehbuch gehalten."

BR-Fernsehdirektorin Bettina Reitz betonte, die Idee sei gewesen, wie schon häufiger Fiktion und Realität erzählerisch zu vermischen. Die politische Ausgewogenheit ergebe sich "über einen gewissen Zeitraum verteilt". Es seien auch Gastauftritte von Politikern anderer Parteien geplant. Dieses Gesamtkonzept hätte besser angekündigt werden müssen, räumte Reitz ein. Die Rundfunkrätin und Generalsekretärin der Bayern-SPD, Natascha Kohnen, sagte: "Staatsferne sieht anders aus." Sie kündigte ein Nachspiel im Rundfunkrat an.

Söder: "Nur die Wahrheit"

Söder reagierte am Rande der CSU-Klausur in Wildbad Kreuth auf die Kritik: "Ich habe nur die Wahrheit gesagt." Es seien Tatsachen, dass Bayern den höchsten Beitrag zum Länderfinanzausgleich zahle und beim Ausbau des schnellen Internets führend sei. Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder und der frühere Münchener Oberbürgermeister Christian Ude (beide SPD) hätten ebenfalls Gastauftritte in Fernsehserien absolviert.
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