Rechnung sorgt für Diskussion

Für zwei Schlachtkühe gab es 1960 noch fast 1500 Mark. "Rechnet mal die Summe auf heutige Verhältnisse um", empfahl ein ehemaliger Landwirt beim heimatkundlichen Stammtisch in Heinzhof: "Wir Verbraucher sollten nicht nur auf billige Produkte achten und die Arbeit der Landwirte mehr wertschätzen!"

(schß) Einen Rekordbesuch hatte dieses Treffen der Gemeinde Ursensollen mit 37 Gästen in der Waldschänke am Hirschpark in Heinzhof. Es ging damit bereits in seine achte Saison.

Der Krieg im Buch

Einen kurzen Rückblick auf die Ausstellung "Erster Weltkrieg - Spuren in der Gemeinde Ursensollen" gab Bürgermeister Franz Mädler. Diese Schau sei eine der vielen Aktionen gewesen, "die wirklich Spuren hinterlassen". Die Gemeinde plane, den Inhalt der Ausstellung in einem Buch oder Geheft für kommende Generationen festzuhalten.

Heimatpfleger Josef Schmaußer griff dann das Hauptthema auf - einen Blick auf das Dorfleben in den 1950/60er Jahren. Mit Erinnerungen an das "Wiederhilfdreschen", Hausschlachtungen und Kirchweihfeste gab er Stichworte, die lebhafte Erzählungen in Gang brachten.

Streit ums Fahrrad

Viele erinnerten sich noch an die Lokalbahn Amberg-Lauterhofen, die Schüler, aber auch landwirtschaftliche Produkte wie die Milch nach Amberg brachte. Der Milchhof lag ja bis in die 60er Jahre noch neben dem Bahnhof. Fehlende Verkehrsmittel, schlechte Straßen und längere Arbeitszeiten machten laut Schmaußer die Brautschau manchmal schwierig. "Mir hom dahoim bloß oa Radl g'habt", berichtete ein Teilnehmer: Sein Bruder und er hätten sich darum gestritten, wer damit zu seiner Freundin fahren durfte.

Wirtshäuser gab es damals selbst in kleinen Orten wie Zant, Stockau oder Bittenbrunn. Und die Kirchweih in Bittenbrunn war ein Muss. Großes Interesse weckte eine Originalrechnung, die Evi und Ludwig Hauer präsentierten. Sie belegt, dass im September 1960 für zwei Schlachtkühe rund 1500 Mark gezahlt wurden. Dieser Preis, meinten einige Teilnehmer, zeige die Wertschätzung, die vor 50 Jahren den Landwirten für ihre Produkte entgegengebracht wurde.

Hilfe für Jüngere

Immer wieder haben vor allem jüngere Teilnehmer bei den heimatkundlichen Stammtischen Dokumente zur Familienforschung dabei. Sie dürfen stets auf die Hilfe von Experten mit Erfahrung hoffen, um die Fachbegriffe und die "deutsche Schrift" zu entziffern. Besonders prägend für die 1950/60er Jahre waren nach Schmaußers Erzählungen die verstärkt einsetzenden technischen Erneuerungen in der Landwirtschaft, von den ersten Mähdreschern bis zu Melkmaschinen.
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