Regierung hebt Steigerwald-Naturschutzgebiet auf
Tiefe Gräben

Die Regierung von Oberfranken hat ein knapp 800 Hektar großes Naturschutzgebiet im Steigerwald aufgehoben. Das teilte ein Sprecher am Mittwoch mit. Für Naturschützer ist das eine herbe Niederlage, da das Gebiet die Grundlage für einen Nationalpark im Steigerwald darstellen sollte.

Der Bund Naturschutz reagierte empört auf die Entscheidung der Regierung. "Dies ist ein einmaliger, skandalöser Vorgang in der bayerischen und deutschen Naturschutzgeschichte", sagte Landeschef Hubert Weiger. Die Entscheidung sei nur wegen politischen Drucks gefallen, nicht aus fachlichen Gründen. Weiger kündigte eine Klage gegen die Entscheidung an.

Das Naturschutzgebiet bei Ebrach (Kreis Bamberg) sorgt seit dem Vorjahr für heftige Debatten: Der Bamberger Landrat Günther Denzler (CSU) ließ es kurz vor dem Ende seiner Amtszeit ausweisen - es sollte das Zentrum für den Nationalpark werden. Nationalpark-Gegner und die CSU-Staatsregierung waren empört. Inzwischen hat der Landtag mit seiner CSU-Mehrheit das Naturschutzgesetz geändert: Für Naturschutzgebiete mit mehr als zehn Hektar sind nun die Bezirksregierungen und nicht die Landkreise verantwortlich. Die Regierung von Oberfranken stufte die Ausweisung des Ebracher Gebietes auch tatsächlich als rechtswidrig ein - doch aus dem Naturschutzbeirat kam Widerstand.

Das Umweltministerium jedoch teilte die Auffassung der Regierung, dass das Gebiet rechtswidrig ist. Ein Sprecher des Umweltministeriums sagte dazu: "Entsprechend der gesetzlichen Vorgaben hat die Regierung von Oberfranken das Umweltministerium beteiligt. Das Umweltministerium hat der Entscheidung der Regierung von Oberfranken zugestimmt."

Die Regierung habe sich zum Handlanger der Naturschutz-Gegner gemacht, kritisierten die Grünen. Die Gräben im Streit um den Steigerwald würden nun noch tiefer.
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