Reiselustiger Brückenheiliger

Die restaurierte Nepomuk-Statue blickt von ihrem neuen Standort auf die Verkehrsteilnehmer. Bild: gi

Schon seit über zwei Jahrhunderten wacht eine Nepomuk-Statue an verschiedenen Standorten in Burgtreswitz. Dabei bekam sie auch öfter nasse Füße.

1792 kam die Sandsteinfigur nach Burgtreswitz. Der damalige Gerichtsschreiber Georg Vitus Giehrl von Sonnenburg, ein mächtiger Mann, vor dem selbst der Pfleger des Amtes Treswitz großen Respekt hatte, stiftete den Nepomuk. Anlass dafür war die Erhebung von Sonnenburg in den Adelsstand.

"Kannes von Traswitz"

Bald wurde der Nepomuk von der Bevölkerung als "Kannes von Traswitz" bezeichnet. Wegen seiner simplen Gesichtszüge wurde er zum Symbol der Unbeholfenheit. Giehrl ließ den Nepomuk unweit der Spiegelglaspoliere an der Holzbrücke aufstellen. Wegen der Hochwasser bekam der Heilige aber an dieser Stelle fast alle Jahre nasse Füße, so dass die Statue bald auf die gegenüberliegende Seite unweit der "Greßmann-Mühle" (im 16. Jahrhundert noch Burgmühle genannt) versetzt wurde.

Aber auch dieser Platz war nicht ganz vor Überschwemmungen verschont. Denn wenn der Wasserstand an diesem Standort die Füße von Nepomuk erreichte, dann wurde es sehr unangenehm für den unteren Ort.

2005 entschloss sich deshalb der Verein der Seilzieher von Burgtreswitz sein gesamtes Vermögen für die Sanierung und Verlegung der Figur zur Verfügung zu stellen. Am 27. August 2006 erhielt der restaurierte Nepomuk seinen kirchlichen Segen. Als neuer Standort wurde der Platz nördlich der Brücke vor dem E-Werk auserwählt. Seitdem blieb die Figur vor dem Hochwasser verschont. Aber nochmals musste der Brückenheilige umziehen, denn 2014 begann der Bau einer neuen Pfreimdbrücke. Die alte Brücke wurde beseitigt und der Nepomuk stand dem Projekt im Wege. Er wurde zunächst ins Steinwerk Rappl in Moosbach zur Restaurierung gebracht.

Mit dem Abschluss der Brückenbauarbeiten vor vier Wochen war der Weg frei, den Nepomuk endlich an einem neuen und sicheren Standort zu bringen. Mit dem Platz neben dem "Greßmann-Stadel" (aus Moosbach kommend) wurde für den Nepomuk nun ein hervorragender Standort gefunden. Völlig hochwasserfrei kann nun der Heilige auf die vorbeifahrenden Verkehrsteilnehmer blicken und sie unter seinen Schutz stellen. Diesen Schutz brauchen sie auch dringend, denn die elegante Brücke verleitet einige zum zu schnellen Fahren.
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