Renten steigen um bis zu zwei Prozent

Rentner können dank bislang guter Konjunktur und hoher Löhne mit mehr Geld rechnen - im Schnitt gut 20 Euro pro Monat. Der Aufschlag fällt aber deutlich geringer aus als erwartet.

Die gut 20 Millionen Rentner können Mitte nächsten Jahres mit einer spürbaren Rentenerhöhung rechnen. Die Renten könnten um ein bis zwei Prozent in West- und Ostdeutschland steigen, wie die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Bund, Annelie Buntenbach, am Dienstag in Würzburg sagte. Damit dürfte die Rentenanpassung deutlich niedriger ausfallen als noch 2013 gedacht, aber über der aktuellen Inflationsrate liegen. Hauptursachen für die Erhöhung sind die gute Konjunktur und die hohen Löhne. Sozialverbände kritisierten das Rentenplus als zu gering.

Statistik drückt die Rente

Im Osten dürfte die Rentenanpassung aufgrund der günstigeren Lohnentwicklung etwas höher ausfallen als im Westen, kündigte der Präsident der Rentenversicherung, Axel Reimann, an. Sicherheit gebe es aber noch nicht. "Erst im Frühjahr kommenden Jahres werden die zur Anpassung relevanten Daten vorliegen", sagte Buntenbach, die die Gewerkschaftsseite bei der Rentenversicherung vertritt. Zuletzt stiegen die Renten zum 1. Juli im Osten Deutschlands um 2,53 Prozent, im Westen um 1,67 Prozent.

Die Rentenanpassung fällt im kommenden Jahr aufgrund eines statistischen Einmaleffekts rund 1,1 Prozentpunkte niedriger aus als ohne diesen Effekt. Das entspreche gut 2,4 Milliarden Euro, die den Rentnern vorenthalten würden, erläuterte Buntenbach. Denn aufgrund von EU-Vorgaben gibt es eine Revision der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit. Die Aufnahme bestimmter Beschäftigter im Niedriglohnbereich drückt auf die für die Rentenerhöhung zentralen Gehälter. 2016 dürfte es aber wieder eine höhere Rentenanpassung geben und der Statistikeffekt im Großen und Ganzen ausgeglichen werden.

Der Beitragssatz dürfte Anfang 2015 von derzeit 18,9 auf 18,7 Prozent vom Einkommen sinken. In dieser Größenordnung bewegt sich der Spielraum zur Senkung. Die Bundesregierung hatte eine entsprechende Entlastung bereits angekündigt. Die Senkung um 0,2 Prozentpunkte bringt eine Entlastung um rund zwei Milliarden Euro, die sich gleichermaßen auf Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt. Bezogen auf einen Durchschnittsverdiener sei das eine Entlastung um 35 Euro pro Jahr, so Buntenbach. Nach den bisherigen Schätzungen dürfte der Beitragssatz dann bis 2018 stabil bleiben. 2019 dürfte er auf 19,1 Prozent angehoben werden müssen.

Rente mit 63 beliebt

Laut jüngster offizieller Finanz-Schätzung dürfte die Rentenkasse 2014 einen Überschuss von 1,8 Milliarden Euro erzielen. Die Reserve - die Nachhaltigkeitsrücklage - wächst laut Buntenbach voraussichtlich um 1,5 auf 33,5 Milliarden Euro. Das entspricht gut 1,8 Monatsausgaben. Ab 1,5 Monatsausgaben muss der Beitragssatz gesenkt werden, außer der Gesetzgeber beschließt es anders.

Die Möglichkeit, bereits mit 63 statt mit 65 Jahre in Rente zu gehen, erfreut sich unterdessen großer Beliebtheit. Bis Oktober gingen 163 000 Anträge ein. Die Kosten der abschlagsfreien Rente werden für 2014 auf 1,5 Milliarden Euro geschätzt.
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