Rentenpolitik: Senioren-Union fordert Kursänderung
"Ohne eigenes Haus wird es knapp"

Dass die Flüchtlingskrise den CSU-Parteitag, der am Freitag und Samstag in München ansteht, dominieren wird, ist Rudolf Kraus (74) bewusst. Doch der Oberpfälzer Bezirksvorsitzende der Senioren-Union aus Schnaittenbach möchte, dass auch das Thema Rente auf den Tisch kommt. "Es kann nicht ewig gewartet werden, dass etwas passiert", drängt der ehemalige Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Gespräch mit unserer Zeitung auf eine Kursänderung.

Herr Kraus, erst im Juli gab es die letzte Rentenerhöhung. Was ärgert Sie an der Rentenpolitik der Bundesregierung?

Im Vergleich mit sämtlichen Nachbarländern hat Deutschland die niedrigste Rente mit Ausnahme von Polen und Tschechien. Wenn man die Bruttoersatzrate betrachtet, sind das gerade mal 42 Prozent vom bisherigen Normaleinkommen. Selbst in Polen und Tschechien ist diese Rate unter Zugrundlage des dortigen Lohnniveaus höher. Es kann auf Dauer nicht sein, dass Deutschland als reiches Land hier ganz hinten liegt.

Die Senioren-Union will dazu beim CSU-Parteitag einen Antrag stellen. Was fordern Sie?

Wir fordern die CSU auf, möglichst bald entsprechende Vorschläge zu machen, wie man dieses Problem angehen kann. Eines ist uns wichtig: Bei einer möglichen Rentenerhöhung darf es nicht nur um die Kopfzahl der Arbeitenden gegenüber den Rentnern gehen, man muss auch die Produktivität der deutschen Wirtschaft einbeziehen. Die Löhne haben nicht Schritt gehalten mit der Steigerung der Produktivität. Das ist ein Faktor, der auch die Renten dämpft. Die Österreicher etwa haben insgesamt höhere Rentenbeiträge, aber nur für die Arbeitgeber. Das wäre auch ein Weg für uns. Die Riester-Versicherung hingegen bringt den meisten Menschen nichts, mit Ausnahme derer, die besondere Zuschläge bekommen.

Laut dem Prognos-Institut werden sich künftig Rentner aus dem Kreis Tirschenreuth deutschlandweit am meisten leisten können. Das ist doch eine gute Nachricht für die Oberpfalz, oder?

Das ist natürlich erfreulich, liegt aber vor allem an den vergleichsweise niedrigen Lebenshaltungskosten. Allerdings gilt auch: Ein Oberpfälzer, der 45 Jahre lang Arbeiter war, hat im Schnitt gerade mal 800 Euro Rente. Frauen haben noch wesentlich weniger. Wenn jemand kein eigenes Haus oder ein Wohnrecht hat, wird das alles sehr knapp.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9610)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.