Reus punktet in Flensburg

Für sein Schwarzfahren bekam Marco Reus vom Gericht die gelbe Karte. Trotz der Verurteilung ist er nicht vorbestraft. Bild: dpa

Trotz des Strafbefehls in Höhe von 540 000 Euro ist Marco Reus nicht vorbestraft. Der kriselnde BVB zeigt sich noch nachsichtig. Allerdings dürften die Schwarzfahrten des 25-jährigen Nationalspielers mehr als eine Dummheit gewesen sein.

Fußball-Nationalspieler Marco Reus soll bei einer Verkehrskontrolle einen gefälschten niederländischen Führerschein vorgezeigt haben. Das geht aus dem Strafbefehl wegen Fahrens ohne Führerscheins hervor, der dem Sender WDR vorliegt, hieß es in einer Mitteilung am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft wollte sich nicht äußern. "Die Verurteilung ist abgeschlossen, deshalb kann ich dazu nichts sagen", erklärte die Dortmunder Oberstaatsanwältin Barbara Vogelsang.

Der gebürtige Dortmunder ist fünfmal wegen überhöhter Geschwindigkeit geblitzt worden. Teils liegen Fotos vor. Dabei wurde ermittelt, dass Reus ohne Fahrerlaubnis unterwegs gewesen sei, sagte Vogelsang: "Gegenstand des Strafbefehls sind sechs Fahrten ohne Fahrerlaubnis und zwar in einem Zeitraum von September 2011 bis März 2014." Ertappt wurde Reus am 18. März, als er mit seinem Sportwagen für eine Verkehrskontrolle angehalten wurde. Warum es nicht früher aufgefallen ist, konnte Vogelsang nicht erklären.

Der BVB-Star dürfe sich trotz eines Strafbefehls über mehr als eine halbe Millionen Euro, was bei Reus 90 Tagessätzen entspricht, als nicht vorbestraft bezeichnen, sagte Oberstaatsanwältin Vogelsang. Der Strafbefehl sei seit Mittwoch rechtskräftig. Das Bußgeld für Deutschlands Fußballer des Jahres 2012 berechnet sich anhand seines Einkommens. Bei den 90 Tagessätzen geht die Staatsanwaltschaft von einem Netto-Monatseinkommen von 180 000 Euro aus.

Klopp steht zu Spieler

Die Borussia Dortmund trifft der Riesenwirbel um den Strafbefehl für Reus in der größten sportlichen Krise seit Jahren. "Das war eine Dummheit", gestand der 25-jährige Fußball-Profi der "Bild"-Zeitung. Über Jahre hinweg war er mit seinem Auto unterwegs, ohne je eine Führerschein-Prüfung absolviert zu haben. Der saftige Strafzettel dafür dürfte einer der teuersten sein, der je in Deutschland ausgestellt wurde. Der BVB reagierte mit Nachsicht. "Wir haben mit Marco gesprochen. Er sieht seinen Fehler ein, spricht selbst von einer großen Dummheit. Er hat versprochen, dass so etwas nicht wieder vorkommt", erklärte Kommunikation-Direktor Sascha Fligge. Überrascht zeigte sich der Chefcoach über die Verfehlung von Reus, die für den in den Abstiegskampf geratenen deutschen Meister von 2011 und 2012 zur Unzeit kommt. "Er ist maximal einsichtig und als ganz junger Kerl falsch abgebogen", sagte Jürgen Klopp nach einem längeren Gespräch mit ihm und dem Training am Donnerstag, an dem auch Reus teilnahm. "Nun ist er erwischt worden, kriegt eine außergewöhnlich hohe Strafe und das ist auch gut so." Wenn er die Strafe bezahlt, gehe es weiter. "Jetzt ziehen wir einen Strich drunter und es geht normal weiter."

DFB schweigt

Hans-Joachim Watzke sicherte Reus die "komplette Solidarität" des Vereins zu. "Wir stehen zu Marco wie eine Eins", sagte der BVB-Geschäftsführer. Er zeigte sogar Verständnis dafür, dass Reus seinen Fehler verschwieg und nicht korrigierte. "Marco hat sich zu dem Schritt entschieden, ohne Führerschein zu fahren, als er 18 oder 19 Jahre alt war. Anschließend erst kam diese unfassbare Prominenz", sagt der BVB-Boss der Zeitung "Die Welt". "Da konnte er natürlich schwerlich zu einer Fahrschule fahren und sagen: ,Ich möchte gern den Führerschein machen'."

Ob Reus disziplinarische Maßnahmen seitens des Vereins zu erwarten hat, wurde nicht mitgeteilt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wollte keine Stellungnahme abgeben
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