Richard O'Barry: Fühlen sich Delfine nicht wohl, stellen sie das Atmen ein - Täglich 60 ...
"Flipper"-Trainer tippt auf Selbstmord

Der frühere Trainer des Fernseh-Delfins "Flipper", Richard O'Barry, hat eine Schließung aller vier deutschen Delfinarien gefordert. Ausbaupläne etwa in Nürnberg sollten umgehend gestoppt werden, verlangte der US-Amerikaner am Freitag in Nürnberg.

Die hochsensiblen Tiere litten unter der Haltung in reizarmen Beton-Pools. In freier Wildbahn würden sie täglich rund 60 Kilometer weit schwimmen und mehr als 300 Meter tief tauchen. O'Barry, der sich zur Zeit auf Einladung von Tierrechtsorganisationen in Deutschland aufhält, tritt seit vielen Jahren gegen eine "Vermarktung" von Delfinen in Zoos und Delfin-Shows ein. Delfin-Shows sind nach O'Barrys Einschätzung vor allem in den USA ein Milliarden-Geschäft für Vergnügungsparks und Delfinarien. Auch in europäischen Zoos stelle der Verkauf von Delfinarien-Tickets eine wichtige wirtschaftliche Säule dar. Ohne sie wären manche Zoos, wie etwa der Tiergarten Nürnberg, in ihrem Bestand bedroht. Aus diesem Grund nähmen die Delfin-Fachleute in den Zoos wider besseren Wissens die nicht artgerechte Haltung der Wassersäuger in Kauf. Dem widersprach am Freitag der Tiergarten Nürnberg, der die Qualifikation O'Barrys anzweifelt. Die rätselhaften Todesfälle neugeborener Delfine während der vergangenen drei Wochen im Nürnberger Tiergarten sind nach O'Barrys Einschätzung möglicherweise Selbstmorde der Tiere gewesen. "Jeder Atemzug ist bei Delfinen ein bewusster Vorgang. Und wenn Tieren das Leben unerträglich erscheint, stellen manche bewusst das Atmen ein". Er selbst habe solche Fälle erlebt. Der Selbstmord eines der von ihm trainierten "Flipper"-Darstellers habe ihn schließlich dazu bewogen, seinen Job als Delfintrainer aufzugeben. "Das war für mich das Schlüsselerlebnis." Der Nürnberger Tiergarten bestritt unterdessen, dass im Zoo gehaltene Delfine unter Stress litten. Dies habe eine eigene dreijährige Untersuchung ergeben. Der Behauptung des früheren "Flipper"-Trainers, Delfine empfänden ein Leben in Gefangenschaft als unerträglich, widerlegt nach Ansicht der Zooleitung der Delfin "Mobby"; dieser lebe seit 1971 im Nürnberger Delfinarium.

Nach Angaben des Tierverhaltensbiologen Lorenzo von Fersen sind seit Bestehen des Nürnberger Delfinariums 27 Große Tümmler gestorben; elf davon seien Totgeburten gewesen, zehn Babys starben in den ersten sechs Wochen nach der Geburt.
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