Rohrbruch in Ammerthal heizt Diskussionen erneut an
Das Wasser spaltet weiter

Am Montag war von dem Wasserrohrbruch in der Kapellenstraße nur noch wenig zu sehen. Aufgebracht forderte jedoch eine Anliegerin gegenüber der AZ ein, dass endlich ihre Hofeinfahrt gesäubert werde. Bild: Huber
Ammerthal. (zm) "Schieberfest" hatten die Befürworter eines Anschlusses an das Amberger Trinkwasser-Netz den Akt freudig genannt. Am Mittwoch vergangener Woche wurde feierlich an einer neuen Pumpstation ein größer dimensioniertes Ventil (Schieber) aufgedreht. Damit war die bis dahin eigenständige Versorgung des Dorfes mit den benachbarten Stadtwerken zusammengeschlossen (wir berichteten). Nach einem fast drei Jahre andauernden Streit, der den Ort gespaltet hat.

Wenige Stunden später, ein paar Hundert Meter weiter: Wasserrohrbruch im Kapellenweg. Damit schien für die, die sich heftigst gegen diesen durch drei erfolgreiche Bürgerentscheide untermauerten Schritt gewehrt hatten, alles klar. Auch das Notfall-Management habe nicht funktioniert, beschwerte sich eine Anwohnerin telefonisch bei der AZ. Bürgermeisterin Alexandra Sitter-Czarnec dementiert umfassend.

30, maximal 40 Minuten habe es gedauert, bis der neue Wasserwart Johann Liebl vor Ort gewesen sei. Der Rest, purer Zufall. Bei dieser Feststellung stützt sich die von den Gegnern des Zusammenschlusses nach wie vor hart attackierte Bürgermeisterin auf eine eindeutige Expertise. "Dieser Schaden hat nichts mit unserer Umstellung zu tun. Das Rohr ist schlicht und einfach durchgerostet", stellte für das gleichnamige Planungsbüro der Ingenieur Rainer Rubenbauer fest. Die Eisenleitung soll 1961 verlegt worden sein.

Keine Beschwerde

Über eine Woche wird Ammerthal inzwischen mit Amberger Trinkwasser versorgt. Nach den emotionsgeladenen Prophezeiungen der Gegner müssten eigentlich die Telefone im Rathaus und bei den Stadtwerken seither nicht mehr stillstehen. Eine Braunfärbung des Leitungswassers über lange Zeit hinweg war vorausgesagt worden. Doch weder bei Sitter-Czarnec, noch bei Karoline Gajeck-Scheuck (Stadtwerke) ist bisher eine einzige Beschwerde aufgelaufen. Stattdessen wurde in einem Brief an die AZ eine weitere Baustelle aufgemacht: die Kosten dieses Umschlusses, der Ammerthal vom eigenen Brunnen - das Wasser ist hoch mit Desethylatrazin belastet und durfte nur noch per Ausnahmegenehmigung eingespeist werden - genommen hat. Auch im Gemeinderat sah sich am Mittwoch die Bürgermeisterin mit einem entsprechenden Fragenkatalog konfrontiert.

Mängelbericht

Auf rund 300 000 Euro beziffert demnach das Rathaus die Kosten für die nötige Technik der Umstellung. Unterschiedliche Auffassungen gibt es über 57 000 Euro, die ausgegeben werden mussten, um den Hochbehälter Viehberg mit einer Stromversorgung auszustatten. Gegner von Sitter-Czarnec sprechen von einer überteuerten "schmucken Beleuchtung", die offenbar anderweitige Kosten verschleiern solle.

Die Bürgermeisterin hält das Ergebnis eines Berichts der Berufsgenossenschaft vom Oktober vergangenen Jahres dagegen. Sechs Beanstandungen wurden geltend gemacht und eine unverzügliche Beseitigung der Mängel eingefordert. Unter anderem geht es um die Beleuchtung. Angesichts derartiger Sticheleien scheint der Bürgermeisterin bald der Kragen zu platzen. Sie sehe nicht ein, sich für diese Beträge politisch rechtfertigen zu sollen, wenn auf Betreiben der Gegner 2012 und 2013 Schätzungen von Planungsbüros noch zwischen 630 000 und 1 Million Euro gelegen hätten. Zudem stehe im Bauhof ein unverkäuflicher Aktivkohle-Filter für 110 000 Euro herum, den der frühere Zweckverband auf Biegen und Brechen ohne korrekte Ausschreibung angeschafft habe, nur um Fakten zu schaffen.

"Definitiv nein"

Zu guter Letzt gibt es noch eine ganz neue Variante, weshalb der Anschluss an Amberg ein verantwortungsloser Fehler gewesen sein soll. Gemeinderat Gerhard Schuller (CSU) meint zu wissen, dass es im Stadtwerke-Netz noch bleihaltige Verbindungsstücke gebe und deshalb auch die Ammerthaler Gefahr liefen, dass "wir alle vergiftet" werden könnten. "Definitv nein", reagierte die Stadtwerke-Sprecherin knapp. Schuller hat sich vorsichtshalber schon eine Hintertüre offengehalten. Er wolle schließlich keine Gerüchte verbreiten, begründete er seinen Einwurf am Mittwoch im Gemeinderat.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.