Ruhe im Gebüsch

"Alle wollen Natur, aber wenn es um den Schutz geht, gilt das wohl nicht für alle." Hubert G. Schmid sorgt sich um das Naturschutzgebiet zwischen Waidhaus und Eslarn. Das Forstamt Flossenbürg genehmigt nun keine Begehungen mehr.

Der Bericht über die Pfrentschweiherwiese Anfang September beschäftigt weiterhin nicht nur die Forstbehörde, sondern vor allem die Naturschützer. Hubert G. Schmid aus Pleystein hat mit seinen Mitstreitern nun vereinbart, dass Begehungen grundsätzlich nicht mehr genehmigt werden: "Im Artikel stand ja bereits, dass das Gebiet von der Ruhe lebt, das ist offensichtlich allen egal."

Zudem fragt er sich, ob solche Leute überhaupt geeignet wären, ein Naturschutzgebiet zu besuchen. Denn er sieht ganz einfach die zwingende Notwendigkeit, Menschen aus Gebieten herauszuhalten, um seltene und scheue Tiere sowie streng geschützte Pflanzen auch wirklich zu schützen.

Gerade Menschen, die sich naturverbunden fühlen, sollten das verstehen. Dazu gibt er ein Beispiel: "Stellen sie sich Tiere vor, die eine Fluchtdistanz von rund 300 Meter haben, wie zum Beispiel der Kranich."

"Wenn ein geschützter Streifen 600 Meter breit ist und sie gehen mitten durch, dann hat der Kranich keinen Platz mehr, um dort zu bleiben. Oder stellen Sie sich ein Biotop vor, in dem noch streng geschützte Pflanzen erhalten geblieben sind. In diesem Biotop laufen viele Leute herum, die in iher Unkenntnis diese Pflanzen zertreten, pflücken oder gar ausgraben. Es sind schon genügend solche Biotope so zerstört worden."

Nichts verheimlichen

Gerade deshalb gebe es Fernsehsendungen, Filme und Lichtbildervortrage, Bücher und Presseberichte, um den Menschen zu zeigen, was es gibt, was schützenswert ist und wie es geschützt wird. "Damit jeder weiß, warum er für die Natur ist und warum Naturschutz betrieben wird." Verheimlichen von seltenen Tier- oder Pflanzenvorkommen allein nütze nichts. "Wir müssen wissen, was wir schützen und das auch tun. Sonst sind wir nicht besser als die Leute, die sich gerühmt haben, einst den letzten Birkhahn, Auerhahn, Luchs, Bär oder Wolf getötet zu haben."

Gerade die heimischen Tiere würden schon mehr als genug durch Siedlungen, Straßen, Industrie und intensive Landwirtschaft zurückgedrängt, führt Schmid aus. Nur wenige Tiere schafften es, sich den Menschen anzuschließen. "Wenn wir sie jetzt noch in den wenigen Oasen stören, die ihnen geblieben sind und die wir für reserviert haben, dann bewirken wir das, was wir eigentlich nicht wollen. Wir vertreiben sie. Es wird sie dann da nicht mehr geben", ist sich der begeisterte Vogelkundler sicher.

Neid unangebracht

Nicht gelten lässt er den Neid gegenüber Naturschützern, die die Gebiete aus Gründen der Artenerfassung, Erhaltung, Pflege und Überwachung betreten dürfen und müssen: "Das ist ernsthafte Arbeit, die den ehrenamtlich tätigen Menschen weder bezahlt noch vergütet wird. Hier wird ohne Gegenleistung absolut Notwendiges geleistet zur Erhaltung der Natur, ohne Belastung der öffentlichen Kassen."

Es gebe nur in ganz wenigen Gebieten - und auch nur bei einigen unempfindlichen, wildlebenden Tierarten - die Möglichkeit, von Beobachtungsständen aus die Natur zu beobachten, ohne die Tiere zu stören. Weiterhin Unbelehrbaren gibt er ein letztes Argument mit auf den Weg: "In den meisten Fällen sind bei Begehungen die Tiere gar nicht zu sehen. Sie ziehen sich bei Störungen zurück, bevor wir sie entdeckt haben."
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