Russland sendet Signal der Entspannung

Der ukrainische Verteidigungsminister Waleri Geletej verliert seinen Posten. Bild: AFP

Mit dem Abzug russischer Truppen von der Grenze zur Ukraine kommt Kremlchef Wladimir Putin einer Kernforderung des Westens und der Kiewer Führung nach. Lenkt Russland im Konflikt um die Ukraine ein?

Der russische Präsident Putin hat den Rückzug russischer Soldaten aus der Grenzregion zur Ostukraine befohlen und damit Hoffnungen auf ein Ende der schweren Krise genährt. Rund 17 600 Soldaten hätten damit begonnen, sich aus dem Gebiet Rostow in ihre Winterquartiere zurückzuziehen, berichtete die Agentur Interfax am Sonntag. Die Nato in Brüssel teilte zunächst nur mit, sie werde die Berichte prüfen. Der Rückzug der Truppen war eine der zentralen Forderung des Westens und der Regierung in Kiew, um den Konflikt und die Kämpfe zwischen ukrainischer Armee und prorussischen Separatisten zu beenden.

Beobachter werteten Putins Rückzugsbefehl als Signal der Entspannung. Vor allem die USA und die Nato hatten Russland vorgeworfen, mit der Militärpräsenz an der Grenze eine Drohkulisse im Ukraine-Konflikt aufzubauen.

Russland hatte seine Truppenkonzentration hingegen mit Manövern begründet, die Putin nun für beendet erklärte. Immer wieder hatte es Berichte über russische Kämpfer in den Reihen der moskautreuen Separatisten und über Waffenlieferungen über die Grenze gegeben. Solche Berichte hat der Kreml stets zurückgewiesen.

Treffen mit Putin geplant

Über eine dauerhafte Lösung des Konflikts will der ukrainische Präsident Petro Poroschenko mit Putin beim europäisch-asiatischen Gipfeltreffen (Asem) am Donnerstag und Freitag in Mailand verhandeln. Am Abend entließ Poroschenko seinen umstrittenen Verteidigungsminister Waleri Geletej. Es sei Zeit für einen Führungswechsel, teilte er mit. Geletej, seit Juli im Amt, war der dritte Verteidigungsminister seit Februar. Er war unter anderem wegen Aussagen über angebliche Waffenlieferungen von Nato-Mitgliedern an Kiew in die Kritik geraten. Zum russischen Truppenabzug äußerte sich Poroschenko zunächst nicht.

Im Konfliktgebiet dauerten die Kämpfe am Wochenende an. Der Stadtrat von Donezk teilte am Sonntag mit, bei Beschuss seien vier Zivilisten innerhalb von 24 Stunden getötet worden. Separatisten und Militär berichteten von Gefechten. Bei den Kämpfen in der Ostukraine wurden nach UN-Angaben seit April mehr als 3600 Menschen getötet.

Die deutsch-russischen Beziehungen sind wegen des Konflikts um die Ukraine angeschlagen. Für bilaterale Regierungskonsultationen sei kein Treffen geplant, sagte ein Regierungssprecher.
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Oktober 2014 (9311)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.