S-Bahn-Strecke nimmt Hürde

Es ist eines der größten Verkehrsprojekte in Bayern überhaupt: die zweite Stammstrecke in München. Nun kommt das Projekt langsam voran. Doch nicht alle jubeln.

Für die geplante zweite S-Bahn-Stammstrecke in München ist eine wichtige Weiche gestellt worden: Das Eisenbahnbundesamt erließ am Mittwoch den Planfeststellungsbeschluss für den westlichen Abschnitt von München-Laim bis zum Stachus. "Es ist wichtig, dass wir diese Entscheidung haben", sagte Verkehrsminister Joachim Herrmann (CSU) im Landtag.

Die Bahn kündigte an, man werde die Ausschreibung für die Tunnelstrecke in diesem Abschnitt nun rasch veröffentlichen. Anschließend wollen Freistaat, Bund, Bahn und Stadt München die Kostenschätzung noch einmal überprüfen. Dann könne ein endgültiger Finanzierungsvertrag erstellt werden, sagte Herrmann. Die zweite Stammstrecke soll den öffentlichen Nahverkehr in der Landeshauptstadt entlasten. Die Gesamtkosten sollten nach bisherigen Berechnungen mehr als zwei Milliarden Euro betragen, liegen aber inzwischen nach Herrmanns Worten "sicher höher als Schätzungen vor einigen Jahren".

Baubeginn offen

"Bevor ich nicht den letzten Planfeststellungsbeschluss habe, mache ich keine Aussagen darüber, wann der Baubeginn ist und wann es fertig wird", sagte der Minister. "Wir wollen das alles so schnell wie möglich, wir brauchen es dringend. Aber ich setzte hier keine Jahreszahlen in die Welt für Dinge, auf die ich wenig Einfluss habe." Und auch über die Gesamtkosten wolle er derzeit nicht spekulieren, betonte er.

Für den mittleren der drei Abschnitte hat die Bahn seit längerem Baurecht, für den östlichen Abschnitt fehlt dies noch. Er hoffe, dass der Planfeststellungsbeschluss für dieses dritte und letzte Teilstück spätestes bis zum Jahresende erlassen werde, sagte Herrmann. Das Münchner S-Bahn-Netz sei völlig überlastet - und dabei sei es entscheidend für den öffentlichen Nahverkehr in ganz Bayern.

Die Bahn will nun zunächst die Tunnelstrecke von der Donnersberger Brücke bis zum Marienhof einschließlich der neuen Station unter dem Hauptbahnhof europaweit ausschreiben. Voraussichtlich bis Ende 2015 oder Anfang 2016 sollten die Ergebnisse vorliegen, hieß es.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) begrüßte die Entwicklung. Die zweite Stammstrecke sei "bundesweit das wichtigste kommunale Infrastrukturprojekt". Nun sei ein weiterer Schritt zur Realisierung getan. "Ich gehe davon aus, dass Bund, Bahn und Freistaat sich jetzt möglichst schnell auf ein verlässliches Finanzierungskonzept einigen werden", sagte Reiter weiter. Die Stadt will sich mit 113 Millionen Euro beteiligen. Die Opposition verlangte eine verlässliche Kostenschätzung. "Die bisherigen Kostenschätzungen werden angesichts der jahrelangen Verzögerungen nicht mehr zu halten sein. Das Projekt ist ohne Alternative, dennoch haben die Steuerzahler ein Anrecht auf solide Zahlen", meinte der SPD-Finanzpolitiker Herbert Kränzlein.

Grüne: "Luftkalkulationen"

Die Grünen warnten vor einer "riesigen Finanzierungslücke von mindestens einer halben Milliarde Euro" und einem unkontrollierbaren Risiko. Schon die absehbaren Verzögerungen bei der Genehmigung des dritten Abschnitts dürften zu weiteren Kostensteigerungen führen. "Hier wird ein öffentliches Projekt nach altbewährter Methode schöngerechnet", sagte der Grünen-Politiker Markus Ganserer. Die vorliegenden amtlichen Kostenschätzungen seien "Luftkalkulationen". Michael Piazolo (Freie Wähler) warnte: "Über der gesamten Finanzierung schwebt weiterhin ein sehr scharfes Damoklesschwert."
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