Säureangriff: 85 000 Euro Schmerzensgeld gefordert
"Böser Fluch"

Rettungskräfte im September 2014 vor dem Haus in Hövelhof (Nordrhein-Westfalen). Hier hatte ein 38 Jahre alter Mann mit einem Säureanschlag seine Freundin schwer verletzt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord und schwere Körperverletzung vor. Bild: dpa
Im Prozess um einen lebensbedrohlichen Säureangriff hat der Anwalt des Opfers 85 000 Euro Schmerzensgeld für seine dauerhaft entstellte Mandantin gefordert. Im September 2014 soll der 39-jährige Angeklagte der Frau aus Eifersucht vor deren Wohnung bei Paderborn aufgelauert und ätzende Schwefelsäure über den Kopf geschüttet haben.

Sie überlebte nur knapp, ihr Gesicht wird von Narben gezeichnet bleiben. Ihr Anwalt beantragte das Schmerzensgeld am Freitag als Nebenkläger in dem Strafprozess, in dem der ehemalige Freund der 39-Jährigen wegen versuchten Mordes angeklagt ist. Am kommenden Mittwoch wird weiterverhandelt.

Ein psychologischer Gutachter sagte am Freitag aus, trotz massiven Alkoholmissbrauchs habe der Angeklagte nicht im Affekt gehandelt. Er lasse auch keine schwerwiegenden psychischen Störungen erkennen, die sich strafmildernd auswirken könnten. Im Prozess hat sich der Mann bislang nicht geäußert, er hatte aber gegenüber dem Psychologen die Tat eingeräumt. Allerdings habe er angegeben, dass er sich als Liebesbeweis ursprünglich selbst an der Hand habe verätzen wollen, sagte der Gutachter.

Aus der Untersuchungshaft hatte der Angeklagte seitenlange Briefe voller Reuebekundungen, Entschuldigungen und Liebesschwüre geschickt. Er sei nicht er selbst gewesen, las der Richter aus einem Brief. Stattdessen habe ihn ein böser Fluch zu dieser Tat getrieben. Er hatte gegenüber den Psychiatern angegeben, zum Tatzeitpunkt reichlich Weinbrand und Drogen konsumiert gehabt zu haben. Der Angeklagte ist mehrfach vorbestraft. Er hatte vor Jahren seine damalige Freundin mit einem Gummihammer verprügelt.
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