Saft ohne Kreuzschmerzen

Zuletzt ging die Arbeit schon ziemlich auf die Knochen. Kein Wunder: Schließlich hat die Saftpresse des Obst- und Gartenbauvereins Haselmühl inzwischen 50 Jahre auf dem Buckel. Mindestens. Doch jetzt sind die Tage der Anlage gezählt.

Wie alt genau die Obstpresse ist, wissen Vorsitzender Josef Schindlbeck und seine Mitstreiter aus der OGV-Führungsriege nicht: Sie war schon beim Kreisgut in Gailoh im Einsatz, bevor sie die Haselmühler Gartenbauer übernommen haben. Dort ist sie jetzt seit über 40 Jahren in Betrieb, jedes Jahr ab Anfang September.

Ursprünglich war es ein modernes Gerät - damals das erste mit hydraulischem Handbetrieb, später umgerüstet auf Elektrobetrieb. Doch auch der ist inzwischen längst nicht mehr zeitgemäß: Zu langsam, vor allem aber zu anstrengend für den, der hier noch ordentlich Hand anlegen muss. Dazu kommen Probleme wie der defekte Zylinder, der vor zwei Jahren überholt werden musste, weil Hydrauliköl durchgesickert war.

Deshalb hat der Verein nach reiflicher Überlegung beschlossen, das Gerät jetzt auszumustern. Die Bestellung läuft gerade. Ende Juni soll geliefert werden, damit der Betrieb in der Obstverwertung wieder wie gewohnt ab der 1. Septemberwoche laufen kann. Ein paar kleinere Umbauarbeiten erledigen die Mitglieder selbst, dann kann's losgehen. Kein ganz einfacher Schritt, denn die Neuanschaffung schlägt mit rund 23 000 Euro zu Buche. Ein ordentlicher Batzen Geld für die Gartler. "Ein bissl was kriegen wir von der Gemeinde", eventuell schieße auch der Landkreis eine Kleinigkeit zu und eine Privatspende gebe es auch, berichtet 2. Vorsitzender Franz Schön.

Doch den Großteil muss der Verein am Ende selber stemmen. Da hilft es, dass er die Anschaffung schon eine Weile im Blick hatte und Geld beiseite gelegt hat: "Wir sind gut aufgestellt", meint Schön, fügt aber auch hinzu, dass man nach dem Kauf wieder ordentlich sparen müsse. Ersetzt wird dabei nur ein Teil der Anlage in der Haselmühler Obstverwertung, durch eine neue Wasch- und Mahlanlage sowie eine Packpresse. Die Abfüllanlage bleibt, denn sie ist erst fünf Jahre alt. Vorsitzender Schindlbeck freut sich, dass moderne Technik einzieht: Bis jetzt sei das Saften hier schon "viel Handarbeit" gewesen, verbunden mit viel Bücken und Heben. Künftig läuft vieles automatisch und damit schonender für die sechs bis acht Ehrenamtlichen, die hier im Einsatz sind. Und schneller wird die neue Presse auch arbeiten: Damit und weil er sich auch einen zusätzlichen 300-Liter-Safttank kauft, kann der Verein sogar seine Kapazitäten ausweiten und mehr Obst annehmen.

Wie gewohnt wird weiter vor allem aus Äpfeln, aber auch aus Quitten "Klarsaft" hergestellt - also kein trübes Getränk, sondern eines, das aussieht, wie gekaufter Saft. "Die Leute wollen das so", sagt Schindlbeck. Einen weiteren Kundenwunsch kann der OGV künftig auch erfüllen: Saft in Drei-Liter-Beuteln, zusätzlich zu den gewohnten Fünf- und Zehn-Liter-Beuteln (gibt es beim Verein) sowie Flaschen (müssen gespült mitgebracht werden). Die Beutel sind gefragt, weiß Schindlbeck: Sie ersparen den Kunden das Flaschenspülen und außerdem hält sich der Saft darin nach Anbruch sehr lange, weil es ein luftdichtes System ist. "Ein Vierteljahr garantiert", verspricht der Vorsitzende aus eigener Erfahrung.

Seine Preise wird der Verein angesichts der großen Investition wohl "ein bisschen erhöhen müssen", kündigt Schindlbeck schon mal an, obwohl der Beschluss dazu noch nicht gefasst ist. (Blickpunkt)
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