Sanfte Rückkehr des G9

Wir haben eine sehr viel bessere Diskussionskultur als 2003.

Auch in Bayern können Gymnasiasten bald wieder in neun Jahren Abitur machen. Außerdem soll es mehr Ganztagsangebote geben. Die CSU-Fraktion stützte auf Kloster Banz den Kurs von Kultusminister Ludwig Spaenle.

(dpa/jum) In der CSU-Landtagsfraktion sind die Bedenken gegen die geplante Gymnasialreform offensichtlich weitgehend ausgeräumt. Nach einer mehrstündigen internen Diskussionsrunde mit etwa 30 Abgeordneten zeichnete sich große Zustimmung zu den Plänen von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ab.

Spaenle plant die größten Veränderungen an Bayerns Gymnasien seit der Einführung des G8 vor zehn Jahren - der Kultusminister sprach am Rande der Klausur in Kloster Banz vom "größten Entwicklungspaket des Gymnasiums seit mindestens einem Jahrzehnt". Das Programm hat vier Bausteine: die Wiedereinführung neunjähriger Züge am Gymnasium im Laufe der nächsten Jahre, eine bessere Lehrerbildung, ein neuer Lehrplan vom Schuljahr 2017/18 an und mehr Ganztagsangebote.

Goppel lobt Diskussion

Kritik am Vorgehen Spaenles hatte bei der Klausur in Kloster Banz unter anderem der frühere Wissenschaftsminister Thomas Goppel geäußert. Goppel stieß sich daran, dass der Fraktion ein Entwurf ohne große vorherige Diskussion präsentiert wurde. Nach der Diskussion zeigte er sich am Mittwoch jedoch besänftigt: "Wir haben eine sehr viel bessere Diskussionskultur als 2003", sagte er. Der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte das G8 quasi ohne Vorwarnung angekündigt. Den Fehler will die CSU dieses Mal unbedingt vermeiden. Deswegen soll die Reform schrittweise umgesetzt werden.

In Bayern gibt es rund 330 staatliche und etwa 70 private Gymnasien. Die Schulen sollen in Absprache mit Eltern, Lehrern, Schülern und den örtlichen Kommunen selbst entscheiden können, ob sie neunjährige Züge anbieten wollen oder nicht. Eine zweijährige Pilotphase startet im Schuljahr 2015/16. Wahlweise sollen die Gymnasien auch Ganztagsunterricht anbieten können, um den Schülern mehr Lernzeit zu bieten. Damit ist auch klar, dass es möglicherweise nicht überall neunjährige Züge geben wird. Pilotgymnasien soll es in jedem Regierungsbezirk geben, doch wird sich die CSU nicht auf eine Zahl festlegen. Grundlage bleibt ein G8-Lehrplan, an den neunjährigen Zügen soll also kein zusätzlicher Stoff unterrichtet werden.

Die Oberpfälzer Abgeordneten stehen hinter den Bildungsbeschlüssen. Der im Bildungsausschuss des Landtags tätige Tobias Reiß begrüßte das "klare Bekenntnis" zum G8. "Wir wollen keinen bayernweiten Trend zurück zum G9", betonte er. Es ergebe aber auch Sinn, in einer Pilotphase eine auf vier Jahre erweiterte Mittelstufe zu testen. Diese müsse aber dann so funktionieren, dass das Angebot auch an kleineren Gymnasien möglich sei. Zum Beispiel müssten Landgymnasien dann bei der Lehrerzuteilung besonders berücksichtigt werden. Schwerpunkt sollten am Gymnasium aber die pädagogischen Reformen haben. Die Frage der Lernzeit sei dem nachgeordnet, so Reiß.

G8 "nicht ausgehebelt"

Reiß' Kollegin Petra Dettenhöfer sah in den Plänen Spaenles zur Weiterentwicklung des Gymnasiums keine große Sache. "Unser Gymnasium ist gut aufgestellt", betonte sie. Die erweiterte Mittelstufe sei ohnehin nicht das Entscheidende an den Vorschlägen. "Das ist eine kleine Veränderung an einer Stelle, bei der man sehen muss, ob sie sich in der Praxis bewährt", erklärte Dettenhöfer. Das G8 werde damit jedenfalls "nicht ausgehebelt". Aus ihrer Sicht sind Spaenles Pläne zum Ausbau der Ganztagesangebote und seine Überlegungen zu pädagogischen Verbesserungen im Unterrichtsablauf von größerer Bedeutung.
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