Sat1 setzt "Newtopia" ab

Das Tor ist zu, das Experiment "Newtopia" wird beendet. Bild: dpa

Sie wollten eine neue Welt erschaffen - doch jetzt verschwinden die Kandidaten der TV-Show "Newtopia" von der Bildfläche. Für Sat1 ist das bitter. Aber wenigstens der kranken Kuh geht es wieder besser.

Angekündigt war es einst als "das größte TV-Experiment aller Zeiten": Der Sender Sat1 bricht seine quotenschwache Reality-Show "Newtopia" kurz nach der 100. Sendung ab. Die Sendung war ursprünglich auf ein Jahr angelegt und hätte demnach noch bis Februar laufen sollen. Nun kommt bereits am Freitag die letzte Ausgabe.

"Das Experiment ist beendet", erklärte Sat1-Geschäftsführer Nicolas Paalzow am Montag. Man habe "viel Sendezeit, Herzblut und Ideen" in das Projekt gesteckt. "Leider ohne den erhofften Erfolg. Aber nur wer wagt, gewinnt", fügte Paalzow hinzu. In den Niederlanden, wo das gleiche Konzept "Utopia" heißt, war die Show-Idee von John de Mol sehr gut beim TV-Publikum angekommen.

Auf einem abgeschirmten Gelände in Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin versuchen die "Newtopia"-Kandidaten seit Ende Februar, rund um eine Scheune eine neue Welt nach eigenen Regeln aufzubauen. Dafür hat man ihnen Ackerland, zwei Kühe und ein paar Fische mitgegeben. Sie sind umgeben von Kameras und Mikrofonen, der Privatsender zeigt werktags einen Zusammenschnitt. Die Einschaltquoten sinken mehr und mehr. Von 2,80 Millionen Zuschauern zum Auftakt blieben in der vergangenen Woche 1,17 Millionen übrig.

Dazu kamen Pannen: Im April weckte ein nächtlicher Vorfall Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Realitysendung, an der nichts gestellt sein soll. Bei einer teils hitzigen Besprechung von Kandidaten mit einer Produktionsmitarbeiterin war - offenbar versehentlich - eine Kamera mitgelaufen. Es ging darum, wie wieder mehr Dynamik ins Geschehen kommen könnte. Die Mitarbeiterin wurde "von ihrer Tätigkeit entbunden".

Kuh musste in Klinik

Im Juni hatte sich dann die Camp-Kuh "Clyde" überfressen, weil Bewohner eine Tonne nicht geschlossen hatten. Der Pansen des Tieres war durch das viele Kraftfutter übersäuert. Die Kuh war zeitweise in einer Klinik, wurde danach wieder aufs "Newtopia"-Gelände gebracht.

In dem Camp gab es viele Abgänge und Zugänge. Seit dem Start der Sendung haben mehr als 30 "Pioniere" - darunter eine 38-Jährige aus Nabburg (Kreis Schwandorf) - in "Newtopia" gelebt. Aus der 15-köpfigen Anfangsbesetzung blieben noch Derk und "Vaddi" Steffen übrig.

Aus der Außenwelt besuchten rund 1000 Menschen das Camp, darunter der Alt-68er Rainer Langhans. Von den Bewohnern erlangte am ehesten der Berliner Lebenskünstler "Candy" einigermaßen Prominenz. Bis zur 100. Sendung Mitte dieses Monats wurden 88 Geschäftsideen entwickelt und 30 umgesetzt. Großer Reichtum wurde bisher nicht erzielt. Mitte Juli waren 4046 Euro und 4 Cent in der Kasse. Vom nächsten Montag an zeigt Sat1 auf dem Sendeplatz montags bis freitags das Daily-Drama "In Gefahr - ein verhängnisvoller Moment". Der TV-Konzern hatte in den vergangenen Jahren auch andere Formate vorzeitig beendet, etwa die Show "Millionärswahl". (Angemerkt)
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