Schäuble weist Athens Hilfsantrag zurück

Der Schuldenstreit zwischen Griechenland und den Euro-Partnern steht Spitz auf Knopf. Athen verlangt weitere Finanzhilfen - doch Deutschland reichen die griechischen Zusagen nicht.

Griechenland ist mit seinem neuen Hilfsantrag in Berlin vorerst abgeblitzt. In der vorliegenden Form lehnt die Bundesregierung den Antrag auf eine Verlängerung der Ende Februar auslaufenden Hilfen strikt ab. "Der Brief aus Athen ist kein substanzieller Lösungsvorschlag", sagte der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble, Martin Jäger, in Berlin.

Die Griechen hatten den Antrag am Donnerstagmorgen auf den Weg gebracht. Heute Nachmittag treffen sich Schäuble und seine Kollegen aus der Euro-Zone zu einer Sondersitzung in Brüssel. Dort soll ein Ausweg aus der verfahrenen Situation gefunden werden. Jäger sagte, in Wahrheit ziele der Antrag auf eine Brückenfinanzierung, ohne die Anforderungen des Programms zu erfüllen: "Das Schreiben entspricht nicht den am Montag in der Euro-Gruppe vereinbarten Kriterien." Nach Angaben aus griechischen Kreisen fordert Deutschland unter anderem einen Verzicht auf Arbeitsmarkt- und Sozialreformen. Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras telefonierte am Donnerstagabend mit Kanzlerin Angela Merkel. Einzelheiten wurden nicht bekannt. Ein enger Mitarbeiter von Tsipras sprach lediglich von einem "konstruktiven" Klima des etwa 50-minütigen Gesprächs.

In der schwarz-roten Koalition sorgt Schäubles Vorgehen derweil für Verstimmung. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) riet dazu, "dass wir diese neue Haltung der griechischen Regierung als Ausgangspunkt für Verhandlungen nutzen und nicht vorher bereits öffentlich ablehnen". In dem Schreiben an die Euro-Gruppe bittet der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis um eine sechsmonatige Verlängerung der Finanzhilfen für das Krisenland - also faktisch bis Ende August. Darin akzeptiert Griechenland grundsätzlich auch die weitere Überwachung durch die EU und die Europäische Zentralbank (EZB) sowie den Internationalen Währungsfonds (IWF).

"Grexit" verkraftbar

Ein möglicher Austritt Griechenlands ("Grexit") aus der Euro-Zone würde die anderen Mitglieder der Euro-Zone aus Sicht der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) nur in verkraftbarem Umfang finanziell belasten. "Alles in allem sind wir der Meinung, dass ein Grexit keine direkte Ansteckungsgefahr in einem Maße birgt, das andere Staaten aus der Eurozone treiben würde", sagte S&P Kreditanalyst Moritz Kraemer.(Seite 8)
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