Schande von Dachau

Unbekannte haben in der KZ-Gedenkstätte Dachau die historische Eingangstür mit dem Schriftzug "Arbeit macht frei" gestohlen. Wer tut so etwas? Der Neonazi-Verdacht liegt nahe. Erwiesen ist aber bisher nichts.

Der Diebstahl der historischen Eingangstür zum ehemaligen Konzentrationslager in Dachau mit der zynisch-propagandistischen Inschrift "Arbeit macht frei" hat über Deutschlands Grenzen hinaus Bestürzung ausgelöst. "Diese Schändung ist grässlich und schockierend", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, der "Bild"-Zeitung. "Wer so etwas macht, ist entweder krank oder bösartig. Wahrscheinlich beides." Ähnlich äußerte sich der Leiter der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau in Polen, Piotr Cywinski: "Das ist ein Angriff auf ein Symbol, ein Angriff auf das Erinnern." In Dachau seien die Grundlagen für Auschwitz und die anderen Todeslager der Nazis gelegt worden.

Besucher standen am Montag still vor einer Tafel, die das Verschwinden der Türe und ihre Geschichte auf Deutsch und Englisch erklärt. Die Türe gilt als zentrales Symbol für Leidensweg der geschundenen und ermordeten Menschen. Im KZ Dachau und seinen Außenlagern hatten die Nationalsozialisten bis 1945 mehr als 200 000 Menschen inhaftiert, Zehntausende kamen ums Leben.

Verhöhnung der Opfer

Der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, wertete die Tat als Verhöhnung der Opfer. Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) nannte den Diebstahl einen infamen Versuch, "diese Gedenkstätte ins Mark zu treffen. "Die Schwere des Anschlags ist einmalig." Die Leiterin der Gedenkstätte, Gabriele Hammermann, sprach von einer neuen Schändungsenergie.
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