Scheiben und Seelen zerbrochen

Einbrecher verwüsten nicht nur Wohnungen, sie verursachen bei vielen Opfern auch starke seelische Schäden. Bild: dpa

Nicht nur die Wohnung ist nach einem Einbruch demoliert, oft bleiben auch seelische Schäden. Die Opfer sollten besser unterstützt werden. Das verlangt der Weisse Ring. Aus Sicht der Hilfsorganisation muss die Opferentschädigung für Fälle psychischer Gewalt neu geregelt werden.

Die Hilfsorganisation Weisser Ring verlangt mehr Rechte für Einbruchsopfer. Sie sollten einen Anspruch auf Leistungen aus dem Opferentschädigungsgesetz haben, fordert die Bundesvorsitzende Roswitha Müller-Piepenkötter. "Untersuchungen zeigen, dass Opfer von Wohnungseinbrüchen oft seelische Belastungen mit Krankheitswert erleiden", erklärte sie anlässlich des Tags der Kriminalitätsopfer am Sonntag, 22. März.

Ein Wohnungseinbruch sei zwar "kein vorsätzlicher tätlicher Angriff gegen eine Person", erläuterte Müller-Piepenkötter. Gleichwohl verletzten Einbrecher das für die Lebensqualität wichtige Sicherheitsgefühl ihrer Opfer. Die Chefin des Weissen Rings macht sich daher dafür stark, Wohnungseinbrüche als Tatbestand in das Opferentschädigungsgesetz (OEG) aufzunehmen.

Das OEG ist gefordert

Nach Darstellung des Weissen Rings ist das OEG "eines der wichtigsten Gesetze für Opfer von vorsätzlichen Straftaten, die durch die Tat körperliche oder seelische Verletzungen erlitten haben". Der Leistungskatalog umfasse verschiedene Entschädigungsmöglichkeiten - von der Übernahme von Therapiekosten bis hin zu Rentenzahlungen. Einbruchsopfer gehen hier bisher allerdings leer aus.

"Wir treten dafür ein, dass der Anwendungsbereich des OEG auf Fälle psychischer Gewalt erweitert wird, denn sie führt in einer erheblichen Anzahl von Fällen zu schweren seelischen Belastungen und Erkrankungen", erläuterte Müller-Piepenkötter. Auch das sogenannte Stalking müsse als Tatbestand in das Gesetz aufgenommen werden - dazu gehört etwa unablässiger Telefonterror infolge nicht erwiderter Liebe.

Aus Sicht des Weissen Rings, der als Deutschlands größte Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer gilt, ist das OEG bisher auch bei Behörden und Rechtsanwälten zu unbekannt. "Von den pro Jahr rund 190 000 durch Gewaltkriminalität Geschädigten stellen nur knapp elf Prozent einen Antrag auf Entschädigung durch das OEG", betonte Müller-Piepenkötter. Bei nur etwas mehr als einem Drittel der jährlich gestellten rund 20 000 Anträge komme es zu einer Anerkennung. Das sei "ein Skandal und ein Hohn für Gewaltopfer", meinte die frühere nordrhein-westfälische Justizministerin.
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