Schick mit reinem Gewissen

Labels wie Bleed Clothing haben speziell Kleidung für Veganer im Programm. Das Kleid besteht zu 100 Prozent aus Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau. Bild: Bleed Clothing

Was bei der Ernährung für viele längst dazugehört, kommt nun langsam auch in der Mode an: der Wunsch, möglichst umwelt- und tierfreundlich zu konsumieren. Vegane Mode ist eine Möglichkeit. Aber Verbraucher müssen auf die Details bei der Auswahl achten.

Millionen Bundesbürger kaufen regelmäßig ein Paar Schuhe aus Leder. Dass dafür ein Tier gestorben ist, ist nur wenigen bewusst. "Bei Leder denkt man, es sei ein Abfallprodukt. Das ist aber ein Irrtum", sagt Christian Vagedes, Vorsitzender der Veganen Gesellschaft Deutschland. Denn ein großer Teil der Rinder werde für das Leder getötet, nicht für das Fleisch. Aber: Berichte über gequälte Tiere veranlassten immer mehr Menschen, umzudenken und kritischer zu sein - auch bei der Mode.

"Wenn man die Hintergründe kennt, dann möchte man Alternativen haben", sagt Vagedes. "Deshalb suchen immer mehr Menschen nicht nur nach veganen Nahrungsmitteln, sondern auch nach veganen Kleidungsstücken." Denn bei der Kleidung lässt sich ebenso auf tierische Bestandteile verzichten wie beim Essen. "Vegane Mode definiert sich dadurch, dass die Stoffe und Materialien, die verwendet werden, nicht tierischen Ursprungs sind", erklärt Stephanie Stragies vom Vegetarierbund Deutschland. In Betracht kommen zum Beispiel Baumwolle, Leinen oder Hanf sowie synthetische Stoffe. Auf Pelz, Wolle oder Seide werde verzichtet.

"Verbraucher finden heute schon viel vegane Mode in den Geschäften, es steht nur nicht explizit drauf", erläutert Frank Schmid von der Tierschutzorganisation Peta. Der Verein setzt sich mit teilweise drastischen Aktionen für den Tierschutz ein. "Viele Firmen verwenden bei Schuhen Kunstleder oder andere Stoffe wie Leinen oder Baumwolle."

Genau hinschauen

Es gibt aber Stolperfallen, auf die man beim Einkauf von veganer Mode achten sollte. "Manchmal sieht ein Produkt vegan aus, man muss dann aber genauer hingucken", erklärt die Expertin Stragies. Denn Daunen in der Winterjacke, Perlmuttknöpfe an der Bluse oder Hornknöpfe am Jackett seien bei tierfreier Kleidung natürlich tabu. "Ein Klassiker ist auch ein Lederpatch an der Jeans - das ist etwas, das viele Menschen nicht entdecken", sagt Schmid.

Doch manchmal reicht ein akribisches Absuchen der Kleidung nicht aus. Die tierischen Materialien verstecken sich auch an unerwarteten Stellen. "Viele Menschen wissen nicht, dass auch in Nebenmaterialien tierische Inhaltsstoffe verarbeitet werden können, etwa im Klebstoff", sagt Vagedes. Im Kleber für Schuhe oder Herrenjackets könnten Knochenreste und Tierhäute stecken.

Ein Siegel könnte die Auswahl erleichtern. Aber: "Es gibt noch kein einheitliches Label, das vegane Mode auszeichnet", sagt Stragies. Zwar wolle Peta mit dem "Peta Approved Vegan"-Logo für Klarheit sorgen, und auch die Vegane Gesellschaft vergibt ihr Vegan-Logo nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für Kleidung. Doch diese Kennzeichnungen finden sich bisher nur in wenigen Jacken, Hosen oder Schuhen. Dennoch sollte man auch bei eindeutig veganer Kleidung ein zweites Mal hinschauen, nicht alle Alternativen sind auch umweltfreundlich. "Vegan ist gerade ein neues Modewort, das gern und viel verwendet wird", sagt Professor Friederike von Wedel-Parlow, Leiterin des Masterstudiengangs Sustainability in Fashion an der Internationalen Kunsthochschule für Mode in Berlin. "Vegan bedeutet nicht zwangsläufig öko, es ist kein neues grünes Wort." Deshalb sei es entscheidend, sich zu informieren und nachzufragen, woraus das Produkt besteht.

Polyester problematisch

Synthetische Fasern wie Polyester seien problematisch. "Polyester besteht aus Erdöl, und es ist ein Produkt, das sich nicht biologisch abbaut", erklärt Von Wedel-Parlow. "Es gelangt häufig in die Natur oder in die Meere." Aber sie wolle den Stoff nicht generell verteufeln. Es handele sich um "ganz hervorragendes Material", wenn es im Recycling-Kreislauf gehalten und immer wieder eingesponnen oder eingeschmolzen wird, um neue Fasern zu gewinnen. Ähnlich sieht das Schmid: "Jedes Material, das Sie herstellen oder verwenden, hat einen ökologischen Fußabdruck." Insofern ließe sich nicht einfach grundsätzlich sagen, Produkte aus Erdöl seien immer gleich schlecht. "Es kommt immer darauf an, wie eine Textilfaser hergestellt wird und wie sie sich recyceln lässt." So verwenden manche Hersteller wiederverwertetes Polyester für Jacken oder Schuhe.

"Es gibt zwar auf der einen Seite große Herausforderungen bei der Herstellung der Produkte, auf der anderen Seite auch große Innovationsmöglichkeiten", sagt Schmidt. Forscher haben in den vergangenen Jahren neue Stoffe entwickelt - Fasern aus Algen, Buche und Eukalyptus oder Seide aus Soja. Und manche Pflanzenstoffe werden für die Mode neu entdeckt, etwa Bambusfasern. "Schuhe aus Hanffasern sind auch im Kommen, ebenso Materialien aus Kork", sagt Stragies.
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