Schiedsrichter als Lärmproblem
Juristisch zurückgepfiffen

Sind Schiedsrichter wie Konrad Schwarzfischer ein Lärmproblem? Nur ganz verbissene Fußballfans würden diese Frage wohl mit Ja beantworten. Und es damit aber doch nicht ernst meinen. Dabei ist das Thema keineswegs ein Witz, sondern "juristischer Lärm". Und bei dem hört inzwischen für manche Kommunen der Spaß auf - wenn jemand gegen sie klagt. Archivbild: zig
So ein Schiedsrichter-Pfiff muss schon hörbar sein. Für Fußballer vom Inter Bergsteig zum Beispiel. Für Häuslebauer, die sich nahe des Sportplatzes niederlassen wollen, soll er es aber nicht sein. Da wäre ein solches akustisches Signal samt Spielbetrieb zu laut. Das, sagt OB Michael Cerny, "versteht keiner".

Amberg. (eik) Eigentlich wollte die AZ von Cerny wissen, wie's um den geplanten Abbruch des Rundbaus am Bergsteig steht. Der "muss abgerissen werden", betont Cerny, ganz im Sinn der Marschroute, die der Stadtrat einstimmig ausgegeben hatte. Rund ein Jahr ist das jetzt her. Doch der Komplex mit der prägnanten Form steht immer noch.

An diesem Punkt bringt Cerny den Schiedsrichter-Pfiff ins Gespräch. Es geht dabei um "juristischen Lärm". Der ist - natürlich - zu laut. Und trotzdem können ihn die Bewohner am Bergsteig "schon nicht mehr hören", weiß Cerny. Er beschreibt das Dilemma, das die Entwicklung des Viertels bremst, so: "Dort wohnen Leute und nebendran ist Industrie: Die haben Lärm." Das wäre noch kein Problem, denn dieses Miteinander von Wohnen und Industrie gibt es am Bergsteig nicht erst seit gestern. Schwierig wird es, wenn man neue Baugrundstücke ausweisen will. Dann, erklärt Cerny, bräuchte man womöglich beim Inter "eine Lärmschutzwand, weil der Schiedsrichterpfiff juristisch zu laut ist".

Der OB sinniert: "Manchmal fragst du dich, ob unsere Lärmgrenzen, die in verschiedenen Vorschriften festgehalten sind, nicht einfach überzogen sind." Cerny nimmt wieder den Bergsteig als Beispiel. "Da stellst du dich raus, hörst die Vögel pfeifen: Dort ist es ruhig." Natürlich gebe es auch "ab und zu mal ein Fußballspiel" - mit der entsprechenden Begleitmusik. Den berühmten Pfiff. Und mitfiebernde Zuschauer. Also Lärm.

Cerny versetzt sich in die Rolle eines Häuslebauers, der sich hier niederlassen möchte. Neben einem Sportplatz. "Der würde mich nicht stören - weil ich weiß, ich baue in die unmittelbare Umgebung von einem Fußballfeld." Dann gibt es im Viertel noch die Glasfertigung. "Die auch nicht laut ist, aber juristisch laut sein dürfte, weil sie in einem Gewerbegebiet ist - und dann müssen wir uns vor juristischem Lärm schützen", macht der OB klar und wiederholt sich: "Das versteht kein Mensch."

Die Stadt müsse jetzt "schauen, wie wir das irgendwie planerisch hinbekommen", um hier weitere Wohnflächen auszuweisen. Vielleicht, sagt Cerny nicht ganz ernst gemeint, müsste man einfach in die Trickkisten greifen: "Dann ist halt alles Mischgebiet. Dann ist nämlich mehr Lärm erlaubt." Und die Leute, die neben einem Sportplatz bauen wollen, könnten das tun. Für Cerny kein gangbarer Weg: "Ich darf nicht ein Mischgebiet ausweisen, wenn da nicht auch ein Betrieb drin ist." Von einer Verwaltung erwarte man zu Recht, "dass sie sauber arbeitet". Wolle die Stadt dort Wohnraum etablieren, "dann muss auch ein Wohngebiet geplant und es darf nicht getrickst werden".

Dass die Bergsteig-Bewohner enttäuscht sind, dass sich auch 2014 wieder nichts bewegt hat in ihrem Viertel, versteht Cerny: "Dafür ist juristischer Lärm eine ganz schlechte Begründung - für jemanden, der neben sich einen Industriebetrieb hat."
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.