"Schießt auf die Polizei"

Polizisten salutieren beim "Woodhull Hospital" in New York vor ihren ermordeten Kollegen : Ein junger Afroamerikaner hat in der Stadt zwei hellhäutige Polizisten mit Kopfschüssen getötet. Das kaltblütige Verbrechen versetzt ein Land in Schock, in dem seit Wochen gegen die angeblich exzessive Gewalt weißer Ordnungshüter gegen Schwarze protestiert wird. Bild: dpa

Seit Wochen ziehen Amerikaner gegen übermäßige Polizeigewalt auf die Straße. Jetzt droht der Mord an zwei Ordnungshütern ihre Kampagne in Verruf zu bringen. Auch New Yorks Bürgermeister gerät in Bedrängnis.

Die Warnungen konnten deutlicher kaum sein. "Ich verleihe Schweinen heute Flügel", heißt es in einer Nachricht, die der mutmaßliche Mörder zweier New Yorker Polizisten am Samstag bei dem sozialen Medium Instagram absetzte. "Sie nehmen einen von uns ... lasst uns zwei von ihnen nehmen. Schießt auf die Polizei."

Kurz darauf drückte er ab und tötete die beiden Beamten durch Kopfschüsse. Hätte der mutmaßliche Schütze nicht im weiteren Instagram-Text auf Michael Brown und Eric Garner Bezug genommen, gäbe es bisher nicht einmal den Ansatz eines möglichen Motivs für die kaltblütige Tat.

"Starke Vorurteile"

Brown und Garner, Afroamerikaner wie der mutmaßliche Schütze von Brooklyn, waren unbewaffnet durch die Hand weißer Polizisten ums Leben gekommen. Ihr Tod heizt seit Wochen Proteste gegen das angeblich brutale Vorgehen weißer Ordnungshüter gegen schwarze Bürger in den USA an. New Yorks Polizeichef William Bratton gab zu, dass die Worte des mutmaßlichen Täters "starke Vorurteile gegenüber Polizisten" verrieten. Derzeit werde untersucht, ob sich der 28-jährige Schwarze an den Demonstrationen beteiligt habe.

Der Fall ist nicht nur gesellschaftlich brisant, sondern auch politisch. Erste Reaktionen der Polizei lassen erkennen, dass der Doppelmord die Kluft zwischen New Yorks Ordnungshütern und dem Bürgermeister der Millionenmetropole vertieft hat. Der Neuling im Rathaus, Bill de Blasio, hatte nach Eric Garners Erstickungstod, wahrscheinlich durch den Würgegriff eines New Yorker Polizisten, strikte Reformen angekündigt. So sollen Polizeibeamte jetzt Kameras an der Uniform tragen, um bei ihren Einsätzen überwacht und später möglicherweise zur Rechenschaft gezogen zu werden.

"Heute Nacht klebt an vielen Händen Blut", erklärte der Präsident der Polizeigewerkschaft, Patrick Lynch, nach dem Attentat. "Das Blut geht von den Stufen des Rathauses aus, vom Büro unseres Bürgermeisters".

In Videos ist zu sehen, wie Dutzende Mitglieder der Gewerkschaft dem Stadtoberen vor dessen Pressekonferenz in Brooklyn demonstrativ den Rücken zuwenden. De Blasio, der mit einer Afroamerikanerin verheiratet ist und zwei Kinder hat, hatte kürzlich zugegeben, dass er seinen eigenen Sohn zur Vorsicht vor der Polizei geraten habe.

Sein Geständnis wurde von einigen Gewerkschaftlern als Aufruf zur Furcht vor New Yorks Ordnungshütern interpretiert. Dabei brüstet sich die Polizei gern mit dem Erfolg des härteren Durchgreifens. In diesem Jahr gab es rund 300 Opfer von Mord und Totschlag. Das sei der niedrigste Stand seit mehr als 20 Jahren, rechnete die "New York Times"vor.

"Die falsche Botschaft"

Der Präsident des Stadtbezirks Brooklyn, Eric Adams, äußerte gegenüber dem Blatt seine Sorge, dass der Anschlag auf die beiden Beamten die Kampagne gegen Polizeigewalt beflecken werde. "Es ist furchtbar, absichtlich einen Polizisten zu erschießen. Das ist die falsche Botschaft", klagte Adams. "Und es ist alles andere als das, was diejenigen im Sinn haben, die über Reform sprechen."
Weitere Beiträge zu den Themen: Weltgeschehen (20753)Lynch (118)12-2014 (6638)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.