Schlechte Aussichten für Pilzsucher
Trockenheit in den Wäldern

Bild: dpa
Nürnberg. (dpa) Schlechte Aussichten für Pilzsucher: Die wochenlange Trockenheit hat in den bayerischen Wäldern eine extrem geringe Schwammerl-Ausbeute zur Folge. «Ich gehe davon aus, dass es derzeit so gut wie keine Pilze gibt. Fehlender Regen, Hitze und Wind haben den Boden vielerorts so stark ausgetrocknet, dass im Moment kaum Pilze wachsen», sagte die Pilzexpertin der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg, Ursula Hirschmann. Allenfalls auf lehmigen, wasserspeichernden Böden seien die Erfolgschancen etwas besser.

Wie wenig aussichtsreich derzeit der Gang in die Wälder sei, zeige auch die geringe Zahl der Pilzberatungen in der Region Nürnberg. «Im feuchten Vorjahres-August hatten wir noch knapp 40 Pilzsammler beraten. Bislang hat noch niemand unsere Pilzberatung aufgesucht», berichtete die Expertin.

Ein Vorteil habe der schwierige Start in die Pilzsaison dennoch: Es komme kaum zu Pilzvergiftungen. «Den ganzen Sommer über hatten wir nur vier Giftnotrufe wegen giftiger Pilze. Im Vorjahr waren es 29 gewesen».

Hirschmann schließt aber nicht aus, dass 2015 doch noch ein gutes Pilzjahr wird. Die Saison gehe schließlich bis Ende Oktober. Nötig seien ergiebige Regenfälle, die die Waldböden gut durchfeuchteten: «Es sollte mindestens einen Tag lang durchregnen. Sturzbachartige Niederschläge wiederum schaden den Pilzen nur.» Aber auch nach Niederschlägen sprießen Pilze nicht sofort aus dem Waldboden. «Es gibt Pilzarten, die brauchen drei Wochen lang feuchten Boden, bevor sie einen Fruchtkörper ausbilden.»

Sorge bereitet der Pilzberaterin das schwindende Pilzwissen in der Bevölkerung. Vor allem junge Leute könnten kaum noch zwischen essbaren und giftigen Pilzen unterscheiden, berichtet Hirschmann. «Schuld daran ist auch das Kraftwerksunglück von Tschernobyl. Aus Angst vor radioaktiven belasteten Pilzen ist fast 20 Jahre nicht mehr gesammelt worden. Dadurch haben Eltern ihr Pilzwissen nicht mehr an ihre Kinder weitergegeben.» Wenn junge Leute heute Pilze sammeln, setzten sie auf Internet und Smartphone-Apps; das helfe aber oft nicht weiter. Daher sei es wohl kein Zufall, dass im Vorjahr vor allem junge Pilzsammler beim Giftnotruf in der Region Nürnberg Rat suchten.
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