Schlicht übernommen

Die nicht unbeträchtliche Anhängerschaft von Entertainer Roger Cicero war geschockt, als Ende November seine Plattenfirma meldete: "Zu viele Termine, zu viele Konzerte, zu viele Verpflichtungen: Wegen eines akuten Erschöpfungssyndroms mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung musste unser Künstler alle Termine bis Ende des Jahres absagen."

Wie sein Management mitteilte, sei er unfassbar traurig, dass er ausgerechnet zur Veröffentlichung seines Live-Albums "Cicero Sings Sinatra" (RCA/Sony), an dem er über ein Jahr gearbeitet hat, komplett ausfalle. Weiterhin heißt es: "Roger Cicero lässt seine Fans herzlich grüßen und freut sich schon sehr auf die Tournee im April 2016." Wir bitten um Entschuldigung."



Zu bedauern war diese traurige Erklärung unbedingt. Völlig überraschend war sie für den Insider allerdings nicht. Denn der 45-jährige Crooner hatte sich in diesem noch aktuellen Jahr schlicht an Aktivitäten übernommen: Neben dem Programm für "Cicero Sings Sinatra" hatte der umtriebige Berliner auch noch an einem anderen Album gearbeitet, das unter dem Titel "The Roger Cicero Jazz Experience" nur wenige Wochen vor dem Live-Werk erschienen war. Darauf findet sich eine Art Kammerjazz, zusammen gehalten von Ciceros einschmeichelnder Stimme, dessen Repertoire sich aus modernen Klassikern von Paul Simon bis zu den Beatles zusammen setzt.

"Cicero Sings Sinatra - Live In Hamburg" - eine Hommage an Frank Sinatra anlässlich dessen 100. Geburtstags am 12. Dezember 2015 - wurde trotz der gesundheitlichen Angeschlagenheit ihres Protagonisten dennoch wie geplant am 27.11.2015 veröffentlicht. Der Live-Mitschnitt zweier sensationeller Konzerte, mit denen Roger Cicero und seine 13-köpfige Big Band mit ausgewählten Gästen Frank Sinatra huldigten, ist als CD und DVD in den Handel gekommen. Neben Yvonne Catterfeld zählen Sasha und Xavier Naidoo zu den Duett-Partnern in diesem einmaligen Programm. Die Studio-Single-Version von "Somethin' Stupid" ist als Bonus-Track auf der Platte verewigt, ebenso eine rundherum gelungene Version von "My Way" im Duett mit Paul Anka sowie eine im neuen Arrangement präsentierte Duett-Version von "Winter Wonderland" mit der schwedischen Jazzsängerin Viktoria Tolstoy.

Ein halbes Jahr Vorbereitung ging den beiden dokumentierten Konzerten voraus, neue Arrangements von Sinatra-Klassikern wurden geschrieben, denen Roger Cicero sich detailverliebt annäherte. "Man muss aufpassen, dass man sich von dem Über-Ego Frank nicht über die Maßen beeindrucken und beeinflussen lässt", erklärte der smarte Entertainer im Gespräch, das bereits vor einigen Wochen stattfand, seine Herangehensweise an die Kult-Figur Sinatra.

"Die große Aufgabe war es, diesem Image nicht zu verfallen und meinen eigenen Zugang zu jedem Stück zu finden. Das war schon deshalb mühselig für mich, weil ich auf dieser Platte zum ersten Mal seit vielen Jahren keine eigenen oder speziell für mich komponierten Stücke interpretiert habe. Auf der Sinatra-Scheibe handelt es sich um Songs, die teilweise sehr oft gecovert worden waren, häufig beeindruckend. Also musste ich mich an meine alten Zeiten als reiner Jazz-Sänger zurückerinnern, mich ein wenig vom Swing und Pop abwenden. Und ich musste mich voll ins Zeug legen, um den Originalen zumindest halbwegs gerecht zu werden."

Bekennender Hut-Träger

Das war ein hartes Stück Arbeit, gibt der bekennende Hut-Träger, der am 25. November von der "Gemeinschaft Deutscher Hutfachgeschäfte" zum "Hutträger des Jahres" gekürt wurde, unumwunden zu: "Dass Sinatra über eine herausragende Vokal-Technik verfügte, ist bekannt", sagt Cicero. "Doch das Ausmaß dieser Meisterschaft wird erst spürbar, wenn man dessen Lieder selbst interpretiert. Plötzlich erkennt man, wie kompliziert das an manchen Stellen ist. Zunächst denkt man, dass diese Kompositionen sehr lässig daher kommen. Dann probiert man's wieder und wieder. Irgendwann wird klar, warum es bei Sinatra so leicht klingt. Weil es eigentlich schwierig ist. Das war eine wertvolle Erkenntnis."

Lässig und leicht klingen die Neuinterpretationen jetzt auch auf "Cicero Sings Sinatra". Man merkt, dass der Berliner sich mit dieser Aufnahme einen Herzenswunsch erfüllt hat, selbst wenn er nicht vollständig in die gigantischen Fußstapfen seines Idols treten kann. Bleibt jetzt nur zu hoffen, dass Roger Cicero bald möglichst genesen ist - damit er im April seine geplante Konzertreise absolvieren kann und wir Zuhörer Frank Sinatra wiederauferstanden auf einer Bühne erleben dürfen.

Roger Cicero gastiert am 14. April 2016 in der Philharmonie im Gasteig in München.

___

Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unterTelefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2015 (2649)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.