Schlussgong für Doppelschlag?

Mehr als zehn Stunden im Dienst? Zwei Schichten mit nur sechs Stunden Pause? Die bayerische Polizei soll ein neues Schichtmodell bekommen, das EU-Richtlinien erfüllt. Doch nicht alle freuen sich über die geplante Reform.

Die 13 000 bayerischen Polizeibeamten im Schichtdienst bekommen neue Arbeitszeitmodelle. Hintergrund ist die EU-Arbeitszeitrichtlinie, die für alle Beschäftigten Höchstarbeitszeiten sowie Mindestruhezeiten vorsieht. Diese sind mit den gegenwärtig gängigen Schichtdiensten der Polizei nicht vereinbar.

Nicht mehr zulässig ist demnach der 12-Stunden-Nachtdienst sowie der sogenannte "Doppelschlag", mit dem derzeit noch zwei Schichten an einem Tag mit einer 6- oder 7-stündigen Pause dazwischen möglich sind. Voraussichtlich ab dem 1. Januar 2016 sollen ein Jahr lang neue Arbeitszeitmodelle erprobt werden. Rund 60 Dienststellen wollen sich an der Pilotphase beteiligen, sie können aus 38 praxisnah von einer Arbeitsgruppe erstellten Modellen auswählen.

Im Landtagsausschuss für Fragen des öffentlichen Dienstes erklärte der Inspekteur der bayerischen Polizei, Thomas Hampel, Ziel sei es, dass auch mit den neuen Dienstzeitmodellen alle polizeilichen Aufgaben erfüllt und zugleich die sozialen Belange der Beschäftigten berücksichtigt würden. Dies müsse mit der derzeit vorhandenen Personaldecke erreicht werden. Vor allem der bei vielen Dienststellen praktizierte "rückwärtsrotierende Schichtdienst" mit Spätdienst am einen und Früh- und 12-stündigem Nachtdienst am nächsten Tag sei als besonders gesundheitsgefährdend und unfallträchtig einzustufen. Deshalb werde die Nachtschicht in allen zur Erprobung stehenden Modellen gemäß EU-Richtlinie auf maximal 10 Stunden begrenzt, zwischen den einzelnen Schichten müsse eine Mindestruhezeit von 11 Stunden eingehalten werden.

Die neuen Arbeitszeitmodelle sind polizeiintern umstritten. Vor allem in Dienststellen mit hohem Pendleranteil und langen Anfahrtswegen ist der "Doppelschlag" wegen seiner anschließend relativ langen Freizeitphase beliebt. Andererseits wird die 12-Stunden-Schicht vielfach als "extrem belastend" empfunden. Vor einer Entscheidung, welche Modelle künftig zum Einsatz kommen werden, soll der Abschluss der Pilotphase abgewartet werden. Die Abgeordneten appellierten fraktionsübergreifend an die Polizeibeamten, die vorgeschlagenen Modelle vorurteilsfrei zu prüfen.
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