Schmidt kriegt die Krise

Er vermittelte den Eindruck, auch schwierige Aufgaben meistern zu können: Als Krisenmanager war Manfred Schmidt vor knapp fünf Jahren an die Spitze des Flüchtlings-Bundesamtes gewechselt. Dass er jetzt das Handtuch warf, passt eigentlich nicht zu dem Spitzenbeamten.

Äußerlich wirkte er stets gefasst und ruhig, den Stress der vergangenen Monaten merkte ihm man äußerlich aber kaum an. Im Gespräch vermittelte Manfred Schmidt meist den Eindruck eines jovialen Behördenchefs, der - auch wenn die Lage schwieriger geworden ist - eigentlich alles im Griff hat. Dennoch ließen zuletzt manche seiner Äußerungen erahnen, dass der wachsende Druck dem Präsidenten des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) immer stärker zusetzte. Zuletzt war der Druck offenbar zu groß geworden.

Nach Darstellung eines BAMF-Sprechers vom Donnerstag bat der promovierte Jurist bei Bundesinnenminister Lothar de Maizière (CDU) um seine Ablösung, und der kam der Bitte des Behördenchefs nach, der zuletzt wegen des wachsender Bergs unbearbeiteter Asylanträge immer stärker in die Kritik geraten war. Viele machten den 55-Jährigen persönlich dafür verantwortlich, dass die Aktenstapel immer stärker wuchsen.

Schmidt räumte zwar schon mal ein, dass die wachsende Zahl von Flüchtlingen ihm manchmal nachts den Schlaf raube und er selbst nach Feierabend - spätestens beim Anschalten des Fernsehers - rasch wieder von den Flüchtlingsproblemen eingeholt werde. Dennoch kam der Schritt auch für Kenner des Migrations-Bundesamtes überraschend. Schließlich hatte der gebürtige Hesse, der an der Universität in Frankfurt Jura studierte, bislang eine steile Karriere als Verwaltungsjurist hingelegt - und dabei auch Krisenmanager-Qualitäten bewiesen.

Steile Karriere

Denn direkt nach seiner Promotion, in dem er sich mit dem hessischen Raumordnungsverfahren auseinandersetzte, gelang ihm der Sprung ins Bundesinnenministerium. Dort kümmert er sich in den Wirren der Nachwendezeit zunächst um die Ordnung des Kommunalvermögens in den neuen Bundesländern, bevor er in das Organisationsreferat wechselte. Die steile Ministerialkarriere führte den Juristen später in wichtige Schaltstellen. Von 2007 bis 2010 fungierte er als Krisenmanager des Ministeriums - nach Ansicht von de Maizière anscheinend die beste Voraussetzung für die Leitung des Bundesamtes für Migration.

Dort fiel Schmidt von Anfang an durch seine Empathie auf - sowohl im Umgang mit Mitarbeitern als auch mit Asylbewerbern, deren direkten Kontakt er nicht scheute. Bei Besuchen in Asylbewerberunterkünften zeigte er offen Gefühle, statt sich auf die Rolle des an Recht und Gesetz gebundenen Verwaltungsjuristen zurückzuziehen. So räumte er Anfang August beim Besuch der Landeserstaufnahme-Einrichtung im baden-württembergischen Ellwangen ein: "Die drangvolle Enge, die wir hier sehen, berührt schon."

Auch klare Kante

In der Frage der Westbalkan-Flüchtlinge zeigte Schmidt aber auch klar Kante: So forderte er frühzeitig Taschengeld-Kürzungen für Migranten vom Balkan und verteidigte öffentlich die von Bayern errichteten Aufnahmezentren für diese Flüchtlingsgruppe. Andererseits versuchte Schmidt Probleme und Fehler seiner Behörde, die er 2010 in verhältnismäßig ruhigem Fahrwasser übernommen hatte, nie kleinzureden.

Noch Ende August sagte der BAMF-Chef in einem Rundfunk-Interview offen: "Ich glaube, dass wir zu spät angefangen haben, dass wir die Zeichen zu spät gesehen haben." Aber noch am Jahresanfang habe niemand mit so hohen Flüchtlingszahlen gerechnet.
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