Schülerstreich vor Gericht

Er zog seinem Mitschüler den Stuhl weg und landete deshalb vor Amtsgericht Hannover. Dort ist ein 17-Jähriger am Dienstag jedoch ohne die Zahlung eines Schmerzensgeldes an seinen früheren Klassenkameraden davongekommen. Das Gericht wies die Klage des Opfers ab, weil Kinder für Neckereien untereinander im Klassenzimmer in der Regel nicht haften müssen. So habe der Bundesgerichtshofs ähnliche Fälle entschieden.

"Das ist kein Freifahrtschein, dass man sich in der Schule prügeln darf", betonte die Richterin Catharina Schwind. Nach Schulunfällen hat eine Zivilklage Aussicht auf Erfolg, wenn dem Verursacher Vorsatz nachzuweisen ist. Der Vorsatz muss sich der Richterin zufolge aber nicht nur aufs Wegziehen des Stuhls, sondern auch auf die gesundheitlichen Folgen beziehen. Im aktuellen Fall liege kein Vorsatz vor, sagte Schwind.

Der Angeklagte hatte in der 9. Klasse seinem Sitznachbarn den Stuhl weggezogen. Dieser fiel auf sein Steißbein, schlug mit dem Kopf auf und erlitt Prellungen sowie Blutergüsse. Weil das Opfer unter der Bluterkrankheit leidet, wurde der Junge anschließend drei Tage im Krankenhaus beobachtet. Da er monatelang unter Schmerzen litt, verklagte er den Stuhlwegzieher auf 1400 Euro Schmerzensgeld.
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