Schüsse in Mailänder Gericht

Im streng gesicherten Justizpalast im Zentrum Mailands zieht ein Angeklagter plötzlich eine Waffe. Er gibt insgesamt 13 Schüsse ab, drei Menschen sterben.

Unter den Getöteten waren ein Richter und ein Anwalt. Zwei weitere Menschen wurden verletzt, einer von ihnen schwer, wie Staatsanwalt Edmondo Bruti Liberati am Donnerstag sagte. Der Angeklagte versteckte sich nach der Tat zunächst in dem Justizpalast im Zentrum Mailands, bevor er mit einem Motorrad flüchtete und schließlich von der Polizei etwa zehn Kilometer nordöstlich der Stadt festgenommen wurde.

Laut Nachrichtenagentur Ansa erklärte der Mann nach seiner Festnahme, er habe sich an denjenigen rächen wollen, die ihn ruiniert hätten. Der 57-Jährige war laut Informationen der Agentur in einem Insolvenzverfahren wegen betrügerischen Bankrotts angeklagt.

"Er ist jemand, der gedacht hat, alle wollen ihn betrügen, er war paranoid", erzählte sein ehemaliger Anwalt Valerio Maraniello. In der Verhandlung soll er eine Waffe gezogen und einen Mitangeklagten und einen Anwalt erschossen haben. Vier bis fünf Schüsse feuerte der Mann in dem Gerichtssaal Zeugenaussagen zufolge ab, ein weiterer Angeklagter wurde verletzt.

Der erschossene Anwalt sagte als Zeuge in dem Prozess aus, hatte den Täter aber früher bereits verteidigt. "Ich habe einen Zeugen vor mir sterben sehen", sagte Staatsanwalt Luigi Orsi. Anschließend suchte der Täter gezielt das Büro eines Richters der Konkursabteilung in einem anderen Stockwerk auf und tötete diesen mit zwei Schüssen. Unterwegs verletzte er einen weiteren Mann am Bein.

Das Gebäude, in dem Hunderte arbeiten, wurde evakuiert. Einige Richter und Anwälte schlossen sich in den Büros ein oder versteckten sich unter Schreibtischen.

Trotz eines enormen Aufgebots an Sicherheitskräften gelang dem Täter zunächst die Flucht. Im System habe es schwere Fehler gegeben, erklärte Justizminister Andrea Orlandio. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen umging der Täter offenbar mit einem gefälschten Ausweis.
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