Schulausschuss beschließt einstimmig Umorganisation der Mittelschulen
Bald nur noch Spezialschulen

Kein Drahtseilakt: Dass eine Ganztagsschule nicht unbedingt zusätzlichen Stress bedeutet, sondern sogar mehr Spaß bringen kann, erfuhren im Jahr 2006 die ersten 24 Fünftklässler in Ambergs erster Ganztagsklasse an der Dreifaltigkeitsschule. Archivbild: Hartl
Amberg. (ll) Große Veränderungen kommen auf die Amberger Mittelschulen (MS) zu: Ab September wird die Dreifaltigkeits-MS zur reinen Ganztagsschule umgebaut, die Luitpold-MS wird Regelschule mit M-Zug, die MS Ammersricht bekommt neben ihrem Praxis- einen Inklusions-Schwerpunkt.

Diese Umorganisation hat am Dienstag der Schulausschuss in einer außerordentlichen Sitzung einstimmig beschlossen. Laut Referatsleiter Wolfgang Dersch ist die neue Struktur pädagogisch sinnvoll. Sie erlaube es zudem, die Ressourcen besser zu nutzen, da man bestimmte Angebote nicht mehr an mehreren Schulen vorhalten müsse. Das Staatliche Schulamt hält die Neukonzeption für einen "notwendigen und gewinnbringenden schulorganisatorischen Entwicklungsschritt".

Gemeinsamer Elternabend

Die bisherigen Reaktionen der Eltern beschrieb Schulamtsdirektor Peter Junge als positiv. In ihrer Gesamtheit sollen sie aber erst auf einem gemeinsamen Elternabend Anfang Mai über alle Einzelheiten informiert werden. Junge: "Wir haben uns zuerst an die Stadt gewandt, weil sie als Sachaufwandsträger auch finanziell gefordert sein wird." OB Michael Cerny rechnet damit, dass in einem ersten Schritt an der Dreifaltigkeits-MS rund 200 000 Euro für die Teilung von zwei Klassenzimmern, den Ausbau des Dachbodens und die zweite Essensausgabe in der Mensa zu investieren sind.

"Keine Schule soll etwas einbüßen", gab Cerny als Devise der Umgestaltung aus. Sie stärke vielmehr jede einzelne Schule in ihrem Bestand (durch Lenkung der Schülerströme), erlaube die Umwandlung der frei werdenden Ressourcen in weitere Fördermaßnahmen oder Angebote (Arbeitsgemeinschaften) und ermögliche gezieltere und passgenauere Investitionen in die Schulen. So könnten mit einer Inklusionsschule in Ammersricht bauliche Veränderungen in Richtung Barrierefreiheit wie etwa ein Aufzug auf diesen Standort konzentriert werden.

"Ist das eine echte Inklusion? Oder eher Ghettoisierung?", fragte Stadtrat Thomas Bärthlein (CSU). Jede Schule müsse nach Wunsch der Eltern (Inklusions-)Kinder mit Förderbedarf aufnehmen, erläuterte Peter Junge. Den Eltern müsse aber klar sein, dass eine MS in Ammersricht mit dem Profil Inklusion mehr Personal und Ressourcen habe, um ihre Kinder stärker zu fördern. Ob das auch bedeute, dass man alle verhaltensauffälligen Kinder nach Ammersricht schicke, wollte Christian Schafbauer (CSU) wissen. "Da werden die Lehrer einen Luftsprung machen." Und wie viele inklusive Kinder es bisher gebe. Rektor Siegfried Seeliger erklärte, es gehe dabei vor allem um Schüler, denen man ihr Problem bzw. ihren Förderbedarf nicht ansehe. "Fünf bis sieben davon findest du in fast jeder Klasse." Durchschnittlich seien es vielleicht 15 Prozent der Kinder an einer Schule. Da es in Ammersricht schon viel Förderbedarf gebe, halte er das neue Konzept für eine "logische Weiterentwicklung".

Chaos am Busbahnhof?

Ein morgendliches "Chaos am Busbahnhof, weil dort alle umsteigen müssen", befürchtete Herbert Schmid, der Vorsitzende des gemeinsamen Elternbeirats der Amberger Volksschulen, wenn viele Kinder nicht mehr in ihrem Sprengel zur Schule gingen. So viele würden es gar nicht sein, meinte Wolfgang Meier, der Leiter des Amberger Schul- und Sportamts. "Ich glaube auch nicht an Kapazitätsprobleme bei den Bussen", ergänzte OB Cerny.

Die Veränderung zum Beginn des nächsten Schuljahres ist laut Wolfgang Dersch erst einmal nur, dass eine Regelklasse an die Luitpold-MS wechselt. "Wir wollen nicht, dass Schüler umgepflanzt werden, die schon zwei Jahre an einer Schule sind", bemerkte Peter Junge dazu. Deshalb solle die Umstellung nach und nach erfolgen.
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