Schulen entschleunigen

Bayerns größter Pädagogenverband wird nun von einer Frau geführt - zum ersten Mal in der 150-jährigen Geschichte des Verbands. Die neue Präsidentin Simone Fleischmann will die Schulen entschleunigen. Ihr Motto: Zeit für Bildung.

Nach mehr als 150 Jahren wird der größte Lehrerverband Bayerns erstmals von einer Frau geführt. Bei der Delegiertenversammlung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) in Augsburg wurde Simone Fleischmann aus Oberbayern am Freitag erwartungsgemäß zur neuen Präsidentin gewählt.

Die 44-Jährige habe 470 der 530 abgegeben Stimmen erhalten, berichtete eine Verbandssprecherin. Fleischmann habe damit eine Zustimmung von knapp 89 Prozent erhalten, es gab keinen Gegenkandidaten. Fleischmann löst Klaus Wenzel ab, der acht Jahre an der Spitze des BLLV stand. Der 65-Jährige trat aus Altersgründen nicht mehr an und hatte sich für die Wahl Fleischmanns ausgesprochen.

"Große Fußstapfen"

"Ich trete in große Fußstapfen", sagte Fleischmann. Sie werde den bisherigen Kurs des BLLV fortsetzen und weiterentwickeln. Der Verband hat rund 60 000 Mitglieder, zu etwa 80 Prozent sind dies Frauen. Fleischmann war bislang Leiterin der Grund- und Mittelschule in Poing bei München. Aus dem Schuldienst wird sie nun aber ausscheiden, da das BLLV-Präsidentenamt als Hauptberuf ausgeübt wird. Die ehemalige Schulpsychologin hat langjährige Erfahrung als BLV-Funktionärin, bislang hatte sie die Abteilung Berufswissenschaften des Verbands geführt.

"Ich kenne den Schulalltag genau und weiß, wo es hakt", sagte sie. Fleischmann kündigte an, sich für eine humane Schule einzusetzen und mehr Zeit für Bildung einzufordern. Es sei an der Zeit, Schulen zu entschleunigen und die Bedürfnisse der am Schulleben Beteiligten in den Fokus zu rücken.

Spaenle gratuliert

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) gratulierte Fleischmann zur Wahl und betonte, dass die Staatsregierung auch künftig bei der Weiterentwicklung der Schulen eng mit den Lehrerverbänden zusammenarbeiten werde. Es gehe darum, den einzelnen Schüler mit seinem individuellen Bildungsweg noch stärker in den Blick nehmen, sagte er. Der BLLV sei dabei besonders im Bereich der Grund- und Mittelschulen für die Regierung ein wichtiger Ansprechpartner.

Die nur alle vier Jahre stattfindende Versammlung des Lehrerverbandes endet an diesem Samstag. Bis dahin wollen die Pädagogen mehr als 250 Anträge verabschieden. In einem Papier fordern die Lehrer beispielsweise den Abbau der Bürokratie in den Schulen. "Die Fülle an zusätzlichen Aufgaben ist mittlerweile so vielfältig und umfassend, dass die Pädagogik ein Schattendasein fristet - obwohl doch gerade sie im Mittelpunkt stehen müsste", sagte die BLLV-Sprecherin. Das Kultusministerium müsse die Fülle von Maßnahmen überdenken und auf das Notwendige reduzieren. (Angemerkt)
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