Schweinemast-Betriebe leiden unter sinkenden Preisen - "Geht brutal an Substanz"
Putins Verbote treffen Region

Die Ferkel von Barbara (Mitte) und Stefan Schönberger (links) haben es gut. Viel Platz, ausgewogene Ernährung und kontrollierte Lüftung. Ihre Besitzer fühlen sich aber alles andere als sauwohl. Der niedrige Preis für Schweinefleisch gefährdet die Existenz des Landwirts-Ehepaars, das sein Leid Franz Kustner (Präsident des Oberpfälzer Bauernverbandes) klagte. Bild: wsb
Amberg-Sulzbach. (tk) Mit dem Importstopp für Milch, Fleisch, Obst und Gemüse trifft Kreml-Chef Wladimir Putin den Westen. Damit auch Deutschland, Bayern, die Oberpfalz und die Region. In Haselmühl (Kreis Amberg-Sulzbach) haben Barbara und Stefan Schönberger massiv unter den Auswirkungen zu leiden.

Weil sich der Preis von Schweinefleisch im freien Fall befindet, muss der Landwirt um seine berufliche Existenz fürchten. "Es geht richtig brutal an die Substanz", sagte der dreifache Familienvater am Donnerstag beim Stallgespräch, zu dem der Präsident des Oberpfälzer Bauernverbandes, Franz Kustner, eingeladen hatte. Bekamen die Schönbergers Mitte des vergangenen Jahres noch 1,50 Euro pro Kilogramm, sind es jetzt 22 Cent weniger. Angesichts der gut und gerne 1000 Mastschweine, die mit 90 bis 95 Kilogramm Körpergewicht verkauft werden, käme schnell ein fünfstelliger Betrag zusammen, der fehlt.

"Die Betriebe müssen zwischenfinanzieren", weiß Kustner (sprich Kredite aufnehmen), sofern sie nicht wie die Schönbergers noch von den Rücklagen leben können. Doch die seien im nächsten Jahr aufgebraucht. Auf Zeit zu spielen und auf einen Anstieg der Preise zu warten, kommt laut Barbara Schönberger nicht infrage: "Ich kann meine Sauen ja nicht in Altersteilzeit oder Kurzarbeit schicken." Laut Kustner kommt erschwerend hinzu, dass die Abnehmer (Discounter, Supermärkte, Schlachthöfe) teilweise noch weniger bezahlen: "Der sogenannte Hauspreis ist seit zwei Jahren so eine Masche." Zum Nachteil der kleineren Betriebe. Sie würden ohnehin schon genug unter dem veränderten Kaufverhalten vieler Deutscher leiden. Stefan Schönberger sagte es ganz deutlich: "Am einfachsten wäre es, wenn die Verbraucher zum Metzger gingen und nicht in den Supermarkt." Weitere Themen waren die Antibiotikum-Gabe, die Gruppenhaltung, die Eiweiß-Gewinnung aus Raps, der Verzicht auf Gentechnik und die Rolle des modernen Landwirts. Stefan Schönberger dazu: "Er plant, er baut, macht seine Arbeit. So, dass alles zuerst den Tieren entspricht, dann den Menschen. Und nicht umgekehrt."
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