Sechsmonatiger Probebetrieb des Museumscafés in KZ-Gedenkstätte erfolgreich
Ausrufezeichen für Normalität

Menschen mit oder ohne Behinderung zaubern in der Küche des Museumscafés gemeinsam kulinarische Köstlichkeiten. Wie gut das funktioniert, zeigte sich beim Empfang am Montag. Bild: nm
Flossenbürg. (nm) Radicchio mit Ziegenkäse und Rotweinbirne, mediteraner Rinderbraten oder Rote-Beete-Blinis waren nur eine kleine Auswahl von dem, was am Dienstag aufgetischt wurde. 60 Gäste ließen es sich im "Museumscafé" schmecken und staunten darüber, wie gut der sechsmonatige Probebetrieb verlaufen ist.

Die HPZ-Werkstätte GmbH hatte zur Zwischenbilanz und zum Ausblick eingeladen. "Eigentlich wollte ich den Vorschlag ablehnen", erinnerte sich Geschäftsführer Helmut Dörfler an das Jahr 2014. Damals stand die Idee des Leiters der KZ-Gedenkstätte Dr. Jörg Skriebeleit zur Diskussion, im ehemaligen SS-Kasino ein Museumscafé einzurichten und das mit Behinderten zu betreiben. Zum Nein-Sagen kam es dann noch nicht. "Und das war gut und richtig so", fasste Dörfler die Entwicklung zusammen.

Nach einigem Hin und Her entschlossen sich die Verantwortlichen des Heilpädagogischen Zentrums in Irchenrieth, den Schritt zu wagen: "Das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten ist Normalität geworden. Auch wenn wir keine Gastronomieexperten waren, schafften wir es als Team, die Vorgaben umzusetzen." Trainiert wurde im Echtzeitbetrieb. Am 1. Juni öffnete das Lokal die Pforten, und nach einem halben Jahr Probelauf fiel jetzt das Fazit rundum positiv aus.

Das bestätigte Skriebeleit. Verbunden mit dem von den Gästen gut angenommenen gastronomischen Angebot sei es gelungen, einen offenen Raum, eine Begegnungsstätte und ein Experimentierfeld zu schaffen. "Mit der Entscheidung, behinderte Mitmenschen einzubeziehen, wurde auch bewusst ein Zeichen gesetzt. Das gilt im Zusammenhang mit der Zeit des Naziregimes genauso wie für den Umgang mit einer solchen Thematik in Gegenwart und Zukunft."

Mit dem Botschafts-Charakter setzte sich auch Bezirkstagspräsident Franz Löffler auseinander. Was ist ein Mensch wert, das dürfe nicht zur Frage werden: weder bei Behinderten noch bei Flüchtlingen. "Jeder hat seinen Stellenwert in der Gesellschaft." Der Bezirk Oberpfalz steuerte zur Verwirklichung des Projektes in Flossenbürg bei: "Ein großartiges Vorhaben ging in all seinen Facetten auf."

"Es ist gut, mit dem Betrieb des Cafés ein Ausrufezeichen für Normalität beim Zusammenleben mit behinderten Mitmenschen zu setzen", lobte Landrat Andreas Meier. Eine Selbstverständlichkeit sei das jedenfalls noch lange nicht. Apostolischer Protonotar Dr. Max Hopfner kündigte an, in Kürze werde Bischof Rudolf erneut nach Flossenbürg kommen.

HPZ-Vorsitzender Josef Rupprecht rief auf, das Engagement in dem gastronomischen Betrieb nicht zuletzt als Aufforderung zu sehen. "Nehmen wir Menschen an die Hand, die unsere Hilfe brauchen." Wie gut sich das Team um Christine Schneider auf den Betrieb des Lokals versteht, ließ sich am Büfett testen. Frische Lebensmittel aus der Region, Können und eine fantasievoll gestaltete Speisekarte imponieren.
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