Seehofer contra Gabriel - Drittes Mammutprojekt über Grafenrheinfeld
Stromtrassen spalten die Große Koalition

Der Rossmarkt in Berching einmal anders: Hunderte aufgebrachte Gegner der geplanten großen Stromtrasse von Oberfranken nach Schwaben empfingen die bayerische Energieministerin Ilse Aigner mit Transparenten und einem minutenlangen Pfeifkonzert. Bild: dpa
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Deutschland und die Welt
06.02.2014
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Der heftige Streit um die Energiewende weitet sich auf die Große Koalition aus: Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD) ließ am Mittwoch das von der Staatsregierung verkündete Moratorium beim Bau neuer Stromtrassen in Bayern zurückweisen. "Nein, die Geschäftsgrundlage hat sich natürlich nicht geändert", erklärte Gabriels Sprecher Tobias Dünow in Berlin.

Seehofer erklärte seinerseits im Landtag, Bayern sei Spitze in der Energiewende. Die Opposition dagegen warf Seehofer vor, den Freistaat mit Zickzackkurs bundesweit zum Gespött zu machen und die Arbeitsplätze aus dem Land zu treiben. Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) musste bei einem Volksfestauftritt auf dem Berchinger Rossmarkt ein gellendes Pfeifkonzert wütender Trassengegner erdulden.

Weiterer Trassenärger ist programmiert: Der Netzbetreiber Tennet legte in Berlin eine weitere geplante Trasse vor. Die Stromautobahn des "SuedLink"-Projekts soll auf bayerischem Gebiet aus Richtung Fulda kommend nach Grafenrheinfeld in Unterfranken führen. Dabei folgt die Trasse weitgehend dem Verlauf der Autobahn A 7. Deutschlands größte und längste Stromtrasse soll als "Hauptschlagader der Energiewende" durch mindestens fünf Bundesländer führen. Die Hauptstrecke des 800 Kilometer langen "SuedLink"-Projekts soll ab 2022 Windstrom von Schleswig-Holstein über Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen nach Bayern bringen und damit die Stilllegung von Atomkraftwerken im Süden kompensieren.
Die Trasse ist eine von drei großen Neubauprojekten im Zuge der Energiewende. Als zweites Großprojekt ist eine 450 Kilometer lange Trasse zwischen Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) und Meitingen (Bayern) geplant, die auch durch die Oberpfalz führen könnte. Das dritte Großprojekt ist eine rund 500 Kilometer lange Trasse von Emden über Osterath in Nordrhein-Westfalen, an Essen, Düsseldorf und Bonn vorbei bis hinunter nach Philippsburg in Baden-Württemberg. Hierzu gibt es aber noch keine Trassenvorschläge.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) forderte Seehofer dazu auf, jetzt auch die Konsequenzen der Energiewende mitzutragen. "Windenergie braucht aber neue Netze - sonst steht unser Land bald ohne Strom da", sagte Albig. Sein Umweltminister Robert Habeck forderte ein Machtwort der Kanzlerin.(Seite 3)
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