Seehofer weist den Weg

Hier geht es lang: Ministerpräsident Horst Seehofer (rechts) und der tschechische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka in der Repräsentanz des Freistaates Bayern in Prag. Bild: dpa

Vor genau vier Jahren gab es auf der Burg Wernberg ein erstes Geheimtreffen zwischen dem damaligen tschechischen Regierungschef Petr Necas und Horst Seehofer. Ziel: das bayerisch-tschechische Verhältnis auf eine neue, freundschaftliche Basis stellen. Jetzt setzte Seehofer dazu einen Meilenstein in der Prager Altstadt.

Tschechiens Regierungschef Bohuslav Sobotka lässt Horst Seehofer fast eine halbe Stunde in der Michalska-Gasse der Prager Altstadt warten. Es ist kühl vor der bayerischen Vertretung, keine fünf Grad. Doch dem bayerischen Ministerpräsidenten ist an diesem Tag einfach warm ums Herz. Er lässt seinen Glücksgefühlen freien Lauf. Immer wieder betont er vor dem Journalistentross die "Genugtuung", die er empfindet. "Ich bin jetzt im siebten Jahre Ministerpräsident. Mein wichtigstes Ziel war von Anfang an eine freundschaftliche Beziehung zu Tschechien."

Auf zur Normalität

Die Repräsentanz ist fast schon ein Vermächtnis Seehofers. Nach Jahren der Eiszeit, der Streits um die Benes-Dekrete, sind die Beziehungen der Nachbarn auf ein neues Fundament gelegt. "Wir kommen zur Normalität, Schritt für Schritt", sagt der CSU-Vorsitzende. Die Vertretung in Prag unterscheide sich "von allen anderen in der Welt", schwärmt Seehofer: "Sie ist ein Schaufenster Bayerns, offen für alle." Es sei beeindruckend "mit welcher Wärme uns die Menschen hier aufgenommen haben". Eine Sternstunde der Beziehungen sei die Rede von Ex-Regierungschef Peter Necas im Jahr 2013 im Landtag gewesen, ein unvergessliches Ereignis für Seehofer. Und schließlich dankt er noch den Heimatvertriebenen, die diesen Prozess positiv begleitet hätten.

Ein Ball, den der Sozialdemokrat Bohuslav Sobotka gerne aufnimmt. Die "dunklen Seiten der Geschichte" sollten nicht verschwiegen werden, aber es solle die "Inspiration" für die Zukunft hervorgehoben werden. Diese Intention gilt auch für die gemeinsame tschechisch-bayerische Landesausstellung über den römisch-deutschen Kaiser und böhmischen König Karl IV. (1316-1378), die 2016 nach Nürnberg und Prag kommt.

Europaministerin Beate Merk, die "Hausherrin" im Palais, findet, dass aus einem "hoffnungsvollen Funken eine flammende Freundschaft entstanden ist". In der Vertretung "atme die Kulturgeschichte". Eine Atmosphäre, in der sich Menschen aus Tschechien und Bayern austauschen sollen, hofft Merk: "Unsere Türen werden allen offen stehen."

Als große Baustelle empfinden Politiker beider Länder den Schienenverkehr. Sobotka meint, es sei schade, "dass man nicht bequemer von Prag nach München kommen kann". Auch Seehofer findet den Zustand "nicht zeitgemäß". Das Problem müsse aber der Bund lösen, Bayern könne hier nur Druck machen. Er werde sich bei Kanzlerin Angela Merkel dafür stark machen, dass die Strecke in den nächsten Bundesverkehrswegeplan komme. Er habe während seiner jüngsten China-Reise erfolglos prüfen lasse, wie er halbwegs vernünftig zur Eröffnung der Repräsentanz in Prag mit dem Zug kommen könne. Der einzige Wermutstropfen an diesem Fest-Tag. "Wir haben innerhalb kurzer Zeit soviel Positives erreicht." Die Weichen für die Zukunft sind gestellt.
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