Seehofers Irsching-Poker

In Irsching steht eines der modernsten Kraftwerke Europas. Doch der Betrieb lohnt sich nicht. Nun haben die Betreiber die Stilllegung beantragt. Der Ministerpräsident glaubt nicht, dass es so weit kommt.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) schließt eine endgültige Stilllegung des hochmodernen Gaskraftwerks Irsching bei Ingolstadt im kommenden Jahr praktisch aus. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass das Kraftwerk auch nach dem 1. April 2016 noch in Betrieb sein wird", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Es wäre niemandem vermittelbar, wenn die Anlage vom Netz gehen müsste.

Allerdings müssten dazu in Berlin nun die notwendigen Entscheidungen getroffen werden, mahnte er. Denn es sei nach wie vor unklar, wie es mit konventionellen Kraftwerken weitergehe - und die müssten ja nach Abschaltung aller Atommeiler einen Großteil des Stroms produzieren. "Diese Frage ist offen, und die ist sehr relevant für das Gelingen der Energiewende." Darüber müsse die Koalition entscheiden, ebenso wie über die Fragen der Energieeinsparung und der Stromtrassen.

Die Irsching-Betreiber, darunter der Eon-Konzern, hatten Ende März die Stilllegung der Anlage angekündigt: Die Blöcke Irsching 4 und 5 sollen demnach zum 1. April 2016 vom Netz genommen werden. Grund sei "die mangelnde Perspektive für einen wirtschaftlichen Betrieb" nach Auslaufen der derzeitigen Verträge mit dem Netzbetreiber, hieß es. Zugleich drohten die Unternehmen als "Ultima Ratio" bereits mit rechtlichen Schritten, falls die dem Bundeswirtschaftsministerium unterstehende Bundesnetzagentur der Stilllegung widersprechen sollte.

Seehofer zeigte Verständnis für die Ankündigung der Stilllegung, die ein Jahr vor dem geplanten Termin erfolgen musste. Unter den derzeitigen Bedingungen bleibe den Betreibern keine andere Wahl.

Rote Zahlen drohen

Gaskraftwerke sind derzeit massiv unter Druck: Wegen der Energiewende und des Absturzes der Börsenstrompreise. Irsching sei 2014 nur zur Stabilisierung des Stromsystems zum Einsatz gekommen, hatten die Betreiber erklärt. Und schon die jetzige Vergütung dafür habe gerade ausgereicht, um die entstehenden Kosten zu decken. Nach Auslaufen der derzeitigen Verträge würde man dann aber in die roten Zahlen rutschen.
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