Segenbringendes Kirchengeld

Seit dem Skandal um den Limburger Bischof fährt die katholische Kirche eine Transparenz-Offensive. Das Erzbistum Köln will den neuen Gold-Standard setzen.

In der Kölner Domschatzkammer wird der Reichtum greifbar. 18 Kilogramm wiegt ein mit Gold überzogener erzbischöflicher Chormantel, der 1742 am Hofe des französischen Königs gewebt wurde. Angesichts dieser schimmernden Pracht scheint die Kirche weit entfernt von den Fischerhütten am See Genezareth, in denen das Christentum einst seinen Anfang nahm.

Reichstes Bistum Vorreiter

Das Erzbistum Köln ist das größte und reichste in Deutschland. Lange hielt man diesen Reichtum lieber im Verborgenen, doch am Mittwoch legte Finanzdirektor Hermann Josef Schon erstmals einen detaillierten Jahresabschluss vor. Schon formuliert es bescheidener, aber er will damit einen neuen Maßstab setzen. Seit dem Skandal um den Limburger Bischof Tebartz-van Elst ist der Wunsch zur Transparenz in vielen katholischen Diözesen spürbar - doch ein einheitlicher Maßstab fehlt. "Das dauert Jahre", meint Matthias Drobinski, Autor des Buches "Kirche, Macht und Geld". Und: "Vieles wird auch strittig bleiben."

Der goldene Chormantel kommt in der Bilanz nicht vor: Schließlich soll er niemals verkauft werden. "Wir sind kein Kunsthändler", sagt Schon. In der Bilanz wimmelt es von Begriffen wie "Aktiva", "Passiva", "Finanzanlagen" und "Bistumskapital". Die Kirche als Wirtschaftskonzern? "Viele Leute finden, dass die Kirche fast gar nichts besitzen soll, so wie der Heilige Franziskus", ist die Erfahrung des Psychiaters Manfred Lütz, praktizierender Katholik in Köln. "Aber gleichzeitig soll sie den Armen helfen."

Lütz ("Der blockierte Riese: Psycho-Analyse der katholischen Kirche") findet, die Kirche müsse ihr Geld gewinnbringend anlegen - um damit Gutes zu tun. Drobinski hat den Eindruck, die Kirche gehe seriös mit ihrem Geld um - allerdings nicht sehr kreativ. "Ich wünsche mir eine Kirche, die etwa im sozialen oder ökologischen Bereich auch mal was riskiert mit ihrem Geld."

Was die Kirche lange verschlafen habe, sei die Hospiz-Bewegung zur Begleitung Sterbender: "Da gibt's schon noch Dinge, wo die Kirche auch als ökonomische Macht gefragt ist. So dass man vielleicht sagen könnte: Hier entsteht die Vision eines anderen Wirtschaftens - und einer anderen Gesellschaft."
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