"Sehe ich überfordert aus?"

Tanja Schiffmann hat sich 2014 als Parksteiner CSU-Kandidatin knapp in der Stichwahl gegen SPD-Kontrahent Berthold Kellner durchgesetzt. Als Bürgermeisterin macht sie die Erfahrung, dass die Konfrontation damit nicht vorbei ist. Das Interview führte Redakteur Friedrich Peterhans.

Frau Schiffmann, Sie sind jetzt ein Jahr im Amt. Ist es so gelaufen, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Grundsätzlich schon, ich war vorher sechs Jahre im Gemeinderat und wusste daher, welche Aufgaben auf mich zukommen. Ich fand dieses Jahr als Bürgermeisterin schön.

Was hätten Sie gerne anders gemacht?

Es lief schon gut, ich habe ja viele offene Baustellen übernommen, habe es aber geschafft, sie alle innerhalb eines Jahres zu beenden: Bauhof und Feuerwehrhaus, Umbau des Landrichterschlosses, Renaturierung der Schweinenaab oder das Gewerbegebiet Theile. Jetzt habe ich die Möglichkeit, Neues anzugehen.

Schiffmann: Mir ist das Areal um das Landrichterschloss wichtig. Da steht jetzt der Bauabschnitt II an. Dann wollen wir das alte Rathaus, das sogenannte Benefizium, umbauen. Es soll in erster Linie Vereinen dienen. Dass dort mit vielen Veranstaltungen Leben einkehrt, ist ein großer Wunsch von mir.

Apropos Veranstaltungen: 2011 gab es mal ein Open Air mit Haindling an der Basaltwand. Um diese fantastische Kulisse für Konzerte ist es danach ziemlich still geworden.

Das ist Naturschutzgebiet, da können Sie nicht jede Woche eine größere Veranstaltung abhalten. Aber wenn ein Veranstalter kommt, könnte man grundsätzlich auch mal wieder über etwas Größeres sprechen.

Aus Sicht anderer Parteien fällt die Bilanz Ihres ersten Jahres im Amt ganz anders aus. SPD-Chef Berthold Kellner wirft Ihnen vor "überfordert und genervt" zu sein?

Da stelle ich die Gegenfrage: Sehe ich überfordert und genervt aus?

Ihr Vorgänger Hans Schäfer (CSU) und sein Vize Herbert Simmerl (SPD) wirkten wie ein Herz und eine Seele. Inzwischen ist das Klima im Marktrat vergiftet. Wie kam es dazu?

Es war kein einfacher Wahlkampf. Leider haben es einige versäumt, aus diesem Modus rauszukommen. An mir soll es nicht liegen.

Da könnten Sie doch als Bürgermeisterin auf den Tisch hauen und sagen "Schluss jetzt, wir müssen im Sinne der Bürger gemeinsam Beschlüsse fassen". Stattdessen gibt es so viele Kampfabstimmungen wie noch nie.

Das kann ich nicht bestätigen, die Mehrheit der Beschlüsse fällt immer noch einstimmig. Und bei Kampfabstimmungen ist es nicht so, dass immer nur die CSU etwas durchdrückt. Da gibt es schon auch Unterstützung von anderer Seite.

Die erste Kampfabstimmung gab es schon in der konstituierenden Sitzung nach der Kommunalwahl. Dabei ging es um den Jugendbeauftragten. Danach folgten das Gewerbegebiet Ost II, die Frage um die Behandlung von Anträgen und viel, viel Geschäftsordnung. Man hat den Eindruck, die Parksteiner Markträte machen sich das Leben schwer.

Gut, der Eindruck könnte schon manchmal entstehen. Man sollte sich einfach gegenseitig etwas mehr Wertschätzung entgegenbringen.

Wen meinen Sie in erster Linie?

Schiffmann: Alle.

CSU-Fraktionssprecher Georg Burkhard hat SPD-Schriftführer Harald Krämer sogar mit einem Strafantrag wegen Verleumdung gedroht. Was ist daraus geworden?

Man hat nichts mehr davon gehört, weil es nicht weiterverfolgt wurde. Es gab nie einen Strafantrag.

Vor allem Bauthemen führen zur Konfrontation. Freie Wähler und SPD beklagen dabei die Informationspolitik. Handelt es sich um ein Kommunikationsproblem?

Das sehe ich nicht so. Alle Markträte werden ausreichend informiert. Vor jeder Sitzung haben wir eine Fraktionsführerbesprechung. Ich gehe davon aus, dass die Fraktionsführer ihren Markträten die einzelnen Punkte dann ebenfalls erläutern.

Sie haben Ende 2014 Verstöße gegen Geheimhaltungspolitik im Marktrat beklagt. Angeblich richtete sich das auch gegen Ihren Vorgänger. Was hat Sie damals so gestört?

Dazu sage ich nichts, weil das eben Sachen aus nichtöffentlicher Sitzung waren. Ich denke, es kommt immer wieder mal vor, dass etwas nach außen getragen wird, aber es war nie wieder so etwas Eklatantes dabei.

Was war das?

Das war etwas Nichtöffentliches.

Zu Einzelthemen: Der SPD geht die Entschärfung der Schutzengel-Kreuzung nicht schnell genug.

Wir senken demnächst die Bordsteine ab, und das Straßenbauamt lässt die Markierungen nachziehen. Zudem haben wir zwei Geschwindigkeitsmessgeräte angebracht. Wir haben auch an die Bürger appelliert, sich als Elternlotsen zur Verfügung zu stellen. Leider hat sich bisher niemand gemeldet, aber vielleicht findet sich noch jemand.

Aus den Arbeitskreisen zur Ortsentwicklung kam der Vorschlag für ein Seniorenheim unterhalb des Parkplatzes an der Pressather Straße. Schon gibt es darüber Standortdiskussionen im Marktrat. Wie ist Ihre Position?

Ich finde den Standort gut, weil ich keinen besseren wüsste. Außerdem gehört der Grund schon der Gemeinde. Dort ist außerdem keine Wohnbebauung möglich, weil der Nordrand von Parkstein aus städtebaulicher Sicht freizuhalten ist.

Wie sieht Ihr Tagesablauf als Bürgermeisterin, Anwältin in der Weidener Kanzlei Krämer und Kreisvorsitzende der Frauen-Union aus?

Es beginnt um 7 Uhr. Der Tag ist mit Terminen voll und dauert oft bis in den späten Abend. Zwei Vormittage habe ich für die Kanzlei reserviert. Dank meiner Selbstständigkeit bin ich aber ziemlich flexibel.

Wie entspannen Sie?

Ich versuche öfter zu laufen ...

... das ist aber anstrengend auf den Parksteiner Höhen ...

... aber eine gute Übung für den Nofi-Lauf. Und ich besuche die Yoga-Stunden, die unsere zweite Bürgermeisterin Lydia Ebneth hält.

Ihr Vorgänger Hans Schäfer war bei der Gemeinde beschäftigt und daher oft im Rathaus. Sie haben Hubert Hösl für das Tagesgeschäft eingestellt. Akzeptieren die Bürger, dass die Chefin nicht so oft da sein kann?

Das kann ich so nicht stehen lassen. Hans Schäfer hatte viermal die Woche Sprechstunde, war aber auch viel auf Terminen unterwegs. Ich habe die Sprechzeiten am Dienstagvormittag und am Mittwochabend auf anderthalb Stunden verlängert. Letztendlich haben wir auch die Öffnungszeiten des Rathauses ausgeweitet. Außer mittwochs ist jeden Tag jemand vor Ort.

Mit welchen Themen kommen die Leute in die Sprechstunde?

Alles Mögliche, vor allem die Parksituation und Anfragen nach Bauplätzen.

Wo hat denn Parkstein ein Parkproblem?

Es sind keine Riesenprobleme, aber es betrifft das gesamte Gemeindegebiet. Heute haben viele Familien mehr als ein Auto und müssen deshalb im Baugebiet auf der Straße parken. Manche stoßen sich daran, aber es geht immer irgendwie.

Nachdem sich der frühere Jäger aus seinem Pachtvertrag herausgeklagt hat, wurden Sie als Bürgermeisterin qua Amt Jagdvorsteherin. Sind Sie das noch?

Nein, den Posten habe ich nach zwei Monaten abgeben können, weil wir einen neuen Jäger und einen neuen Jagdvorstand gefunden haben. Das war übrigens mit der erste Anruf, den ich als Bürgermeisterin bekommen habe. Ich musste einen Wildschaden auf einem Feld begutachten. Nach zwei Monaten wusste ich ganz gut über die Jagd Bescheid.
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