Sexueller Missbrauch: Landgericht verurteilt 62-Jährigen zu Bewährungsstrafe
Arzt filmt heimlich Frauen

Eine Bewährungsstrafe hat das Landgericht Osnabrück gegen einen Arzt verhängt, der bei Untersuchungen heimlich intime Fotos von Frauen mit einer Kugelschreiberkamera gemacht hat. Das Gericht verurteilte den Arzt am Mittwoch außerdem wegen des sexuellen Missbrauchs von Patientinnen und wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Bildern und Videos. Außer der Bewährungsstrafe von zwei Jahren erhielt der Mann auch drei Jahre Berufsverbot. Zudem muss der 62-Jährige 75 000 Euro an gemeinnützige Organisationen zahlen. Der Mann werde nie wieder als Arzt arbeiten, sagte der Vorsitzende Richter Dieter Temming.

Der Angeklagte hat versprochen, seine Approbation zurückzugeben. Mit der Frage, ob eine Bewährungsstrafe angemessen sei, habe es sich das Gericht nicht leicht gemacht, sagte er. Für den Angeklagten habe letztlich sein Geständnis gesprochen und die Tatsache, dass er seinen Opfern bereits Schmerzensgeld gezahlt habe. Da der 62-Jährige nie wieder in seinem Beruf arbeiten werde, sei auch keine Wiederholungsgefahr gegeben. "Der Angeklagte steht vor den Trümmern seiner privaten und beruflichen Existenz", stellte Temming fest. Das Gericht verurteilte den Mediziner für 70 Fälle, in denen er seine Patientinnen im Untersuchungsraum heimlich mit einer Kamera in einem Kugelschreiber gefilmt hatte. In zwölf Fällen habe er die Frauen auch berührt, ohne dass dies notwendig gewesen sei. "Es handelte sich ausschließlich um sexuell motivierte Gründe", sagte der Richter.

Im Internet angeboten

Opfer waren in diesen Fällen Frauen, die körperlich oder geistig behindert waren. Den Fall ins Rollen gebracht hatten Ermittlungen der Polizei in der kinder- und jugendpornografischen Szene. Der Arzt hatte unter anderem entsprechende Bilder und Videos auf einem Downloadportal angeboten und getauscht.
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