Sintflut in South Carolina

Bei den heftigen Regenfällen bleibt nur ein Schlauchboot als Fortbewegungsmittel. Bild: dpa

Ein Tief saugt sich in einem Hurrikan voll - und geht an Land. Was South Carolina dieser Tage erlebt, ist alptraumartiges Wetter. Der Bundesstaat wird schwer getroffen.

Träge liegt das taubenblaue Sofa auf der Seite, umspült von schlammigem Wasser. Auf der Anrichte blicken weiße Blumen auf den zerstörten Raum, fast bis zum Türknauf steht das Wasser. South Carolina erlebt im allerschlechtesten Sinn historische Tage. Von einer Flut ist die Rede, wie es sie vielleicht nur einmal in 1000 Jahren gibt.

Wenn man ein 30-Zentimeter-Lineal aufrichtet: Beinahe so viel hat es in Columbia geregnet. Binnen 48 Stunden. Zur Sintflut wurde das schlechte Wetter durch die unheilvolle Verbindung eines Tiefs mit einer Zelle das abziehenden Hurrikans Joaquín. Mit den schier endlosen Wassermassen Joaquíns saugte das Tief sich voll, dann ging es über South Carolina an Land. Begünstigt oder verschlimmert durch etwas, das man sich wie eine Schnellstraße in der Atmosphäre vorstellen muss, eine Art mikroklimatischer Fluss für tropische Feuchtigkeit. So beschreibt es die Universität Georgia.

Unglaubliche Zerstörung

Fassungslos schaut Stephen K. Benjamin, Bürgermeister von Columbia, am frühen Montagmorgen in die Kameras von CNN. "Sie machen sich keine Vorstellung", sagt der schwere Mann. "Wir müssen alles tun, um Menschenleben zu retten. Hier ist so unglaublich viel zerstört worden." Manche Häuser sind bis zur Dachrinne verschwunden. Holzhäuser sind weggerissen. In anderen Straßen sind Reihen seltsam graziöser Briefkästen das Letzte, was noch über die grauen Fluten hinausragt. Bullige Pickups und schwere SUV werden in die Wälder gedrückt, Brücken zerstört. Ein Damm wurde geöffnet, um Schlimmeres zu verhindern.

Unterstützt von flachen Booten arbeiten sich Helfer von Haus zu Haus, ziehen Menschen aus Autos. Sie retten Hunderte, aber mindestens fünf Menschen sterben. Über Wochen gab es kaum Niederschläge an der Ostküste, der Sommer war lang und sehr heiß. Nun regnete es binnen weniger Stunden so viel wie sonst in drei Monaten. In sieben Bundesstaaten gab es Flutwarnungen.

30 000 Menschen sind laut CNN ohne Strom. Schulen und Universitäten bleiben geschlossen, mancherorts gibt es kein Frischwasser mehr. Charlestons Bürgermeister Joe Riley sagt dem Sender WRAL, so etwas habe er noch nie erlebt, seit er im Amt ist. Er ist seit 40 Jahren Bürgermeister. Das Fernsehen zeigt weinende Familien: "Wir haben alles verloren."

Es wird Monate dauern, bis die vielerorts eh schon marode Infrastruktur wieder hergerichtet sein wird. Der Bundesstaat ist Notstandsgebiet. Am Montag sollte endlich der Regen enden. Die Aussichten versprechen strahlenden Sonnenschein. Doch vorbei ist gar nichts. Der extreme Regen hat vielerorts die Flüsse stark anschwellen lassen, mindestens bis Mittwoch bleibt die Lage vielerorts sehr gefährlich. "Wir müssen uns das so vorstellen", sagt der NBC-Meteorologe, "all das Wasser, was hier in die Gegend hinaufgedrückt worden ist, das muss ja wieder den Berg hinunter."
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