Söders Profilstreben

Die Stimmung zwischen Finanzminister Markus Söder und CSU-Chef Horst Seehofer ist unterkühlt. Archivbild: dpa

Vor dem großen Parteitag hat die CSU einen Aufreger jenseits des Terrorismus: Parteichef Seehofer attackiert seinen Nachfolge- Aspiranten Markus Söder.

Vor dem CSU-Parteitag bricht sich Ministerpräsident Horst Seehofers Abneigung gegen Finanzminister Markus Söder offen Bahn. Seehofer kanzelte Söder in einem Interview mit dem "Donaukurier" (Donnerstag) ab und warf dem potenziellen Nachfolger persönliche Motive für dessen Äußerungen zur Flüchtlingspolitik vor.

Söder hatte nach den Pariser Terroranschlägen einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik verlangt - diese Äußerungen aber längst zurückgenommen. "Das war eine Grenzüberschreitung", sagte Seehofer dennoch. Söder hatte unter anderem das öffentliche Eingeständnis von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gefordert, die Öffnung der Grenzen für Flüchtlinge sei ein Fehler gewesen.

Gravierender für Söder ist Seehofers zweiter Vorwurf: Der Parteichef hält dem Finanzminister vor, er habe den Terror publizistisch für seine eigene Profilierung ausschlachten wollen. Dabei zeigte sich Söder am Mittwoch - bevor Seehofers Äußerungen die Runde machten - besonders reumütig: "Da nehme ich Stilkritik gerne an und sage auch ganz deutlich, dass das nicht so gemeint war", sagte der Finanzminister in München. Bei einem Empfang der evangelischen Landessynode nach dem Gottesdienst zum Buß- und Bettag ging Söder noch weiter: Es habe ihm ferngelegen, Flüchtlinge in Mitverantwortung für die Terroranschläge zu nehmen, sagte der Finanzminister nach Teilnehmerangaben. Auch habe es ihm ferngelegen, Gefühle zu verletzen. Doch Seehofer ist nicht besänftigt. Er warf Söder indirekt vor, als Einzelspieler auf eigene Rechnung und nicht im Interesse der CSU zu agieren: Teamfähigkeit sei auch in der Politik das Wichtigste, sagte der Parteichef dem "Donaukurier".

Ärger mit Vorgeschichte

Seehofers Ausbruch hat eine jahrelange Vorgeschichte. Bis heute unvergessen in der CSU ist Seehofers Attacke auf Söder im Dezember 2012, als der Parteichef dem Kronprinzen "Schmutzeleien" vorwarf. In den vergangenen Monaten versuchte Söder, sich als Meinungsführer zu profilieren, was Seehofer missfällt. Mehrere CSU-Spitzenpolitiker teilen zwar Seehofers Einschätzung, dass der Finanzminister vom Ehrgeiz getrieben sei. Doch Seehofers Attacken auf Söder kommen nicht gut an. Der Parteichef habe seine Abneigung nicht mehr im Zaum, heißt es auf den Landtagsfluren.
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