Spaenle verurteilt Hakenkreuz-Schmierereien am Haus der Kunst in München als "Anschlag"
"Das ist antisemitischer Dreck pur"

Bayerns Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) hat NS-Schmierereien am Haus der Kunst in München als "dreckigen Anschlag" verurteilt. "Das ist antisemitischer Dreck pur", sagte Spaenle am Freitag in dem Museum, das Unbekannte am Abend zuvor mit Hakenkreuzen beschmiert hatten. "Ich bin wütend und kann gar nicht beschreiben, wie sehr."

Nach Polizeiangaben wurden während einer Ausstellungseröffnung vier weiße Hakenkreuze an die Türen des Museums gemalt. Die Polizei ermittelt wegen Verwendung verfassungsfeindlicher Kennzeichen. Zeugen meldeten sich zunächst nicht. Am Freitag waren die Kreide-Schmierereien mit Hilfe einer Restauratorin schon wieder entfernt, wie eine Museumssprecherin mitteilte.

Auch Davidstern

Ganz in der Nähe der Schmierereien befindet sich nach Museumsangaben die Installation "Résistance" des Künstlers Christian Boltanski. Außerdem sei eine Bodeninstallation des Künstlers Gustav Metzger mit dem Titel "Travertin/Judenpech" mit einem Davidstern beschmiert worden.

Das sei nicht strafbar, sagte der Polizeisprecher: "Ein Davidstern ist kein verbotenes Symbol." In der Ausstellung, zu der die Installationen gehören, wird die Geschichte des einstigen NS-Kunsttempels reflektiert. Beide Künstler, deren Werke betroffen waren, setzten sich nach Museumsangaben bereits in den 90er Jahren kritisch mit der Monumentalarchitektur des Gebäudes auseinander und erzählen in ihren derzeitigen Installationen von mutigen Akten des Widerstands und schmerzvollen Geschichten der Vertreibung.

Das Haus der Kunst in München gilt als eine der wichtigsten Ausstellungsstätten für Werke der Moderne. Das Haus hat aber eine dunkle Geschichte: Der monumentale Bau an der Südseite des Englischen Gartens wurde 1932 von dem Architekten Paul Ludwig Troost entworfen und 1937 von Adolf Hitler als "Haus der Deutschen Kunst" mit einer großen Parade eröffnet.

Nazi-Propaganda

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges fand dort die jährliche "Große Deutsche Kunstausstellung" statt, die das nationalsozialistische Kunstverständnis propagierte. Das Haus wurde so zum Sinnbild für die "Gleichschaltung" der Kunst und die Verfolgung von Künstlern während der NS-Zeit. In den vergangenen Jahren hat es sich verstärkt mit der Aufarbeitung seiner Geschichte befasst.
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