Spanischer König entzieht Christina ihren Adelstitel
Felipe degradiert seine Schwester

Die spanische Prinzessin Cristina ist erste direkte Verwandte des Königs, die wegen einer Finanzaffäre auf der Anklagebank eines Gerichts Platz nehmen muss. Bild: dpa
Die Entscheidung traf sie einen Tag vor ihrem 50. Geburtstag: Die spanische Infantin Cristina darf sich nicht mehr Herzogin von Palma de Mallorca nennen. König Felipe VI. erkannte seiner Schwester den Adelstitel ab. Der 47-jährige Monarch bewies damit, dass er es ernst meint mit seiner Ankündigung, das Königshaus nach den Skandalen der vergangenen Jahre wieder zur moralisch vorbildlichen Institution zu machen. Cristina und ihr Mann Iñaki Urdangarin (47) hatten mit ihrer Verwicklung in eine Finanzaffäre maßgeblich dazu beigetragen, dass die Popularität der Familie Schaden nahm. Die Infantin, die an diesem Samstag ihren 50. Geburtstag begeht, kann sich in Spanien kaum noch in der Öffentlichkeit sehen lassen. Sie gilt als das schwarze Schaf im Königshaus.

Dabei war Cristina Federica Victoria Antonia de la Santísima Trinidad de Borbón y Grecia, wie die Infantin vollständig heißt, einmal eines der beliebtesten Mitglieder gewesen. Aufgrund ihrer freundlichen und natürlichen Art war sie als die "Infantin mit dem Lächeln" bekannt. Ihrem Bruder Felipe stand sie sehr nahe. Nach Informationen der Zeitung "El País" trug sie maßgeblich dazu bei, dass ihr Vater Juan Carlos als damaliger König einwilligte, dass Felipe die Moderatorin Letizia Ortiz heiratete.

Mit ihrer Art verhalf Cristina der Monarchie zum Image der Modernität. Als sie vor gut 25 Jahren ihr Examen in politischen Wissenschaften ablegte, wurde sie zum ersten weiblichen Mitglied des Königshauses, das einen Hochschulabschluss vorweisen konnte. In ein paar Monaten wird Cristina erneut in die Annalen eingehen - in unrühmlicher Weise. Sie wird dann die erste direkte Verwandte des Königs sein, die wegen einer Finanzaffäre auf der Anklagebank eines Gerichts Platz nehmen muss. Die Justiz legt ihr zur Last, ihrem Mann dabei geholfen zu haben, das Finanzamt zu betrügen.

Vorwürfe bestritten

Cristina bestritt die Vorwürfe und sagte vor dem Ermittlungsrichter José Castro aus, sich um die geschäftlichen Dinge ihres Mannes nie gekümmert zu haben. Sie habe nur ihren Namen für Vorstandsposten von Firmen hergegeben. Die Staatsanwaltschaft sah das ähnlich. Sie forderte für Urdangarin zwar fast 20 Jahre Haft, lehnte eine Anklage gegen Cristina aber ab. Der zuständige Richter entschied jedoch, dass auch der Infantin der Prozess gemacht wird.
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