SPD sieht S-Bahn-Ausverkauf

In Nürnberg übernimmt zum ersten Mal in Deutschland ein Privatunternehmen ein größeres S-Bahn-Netz. Nach einem europaweiten Wettbewerb erhielt die britische National Express Rail den Zuschlag für den Betrieb von Dezember 2018 bis Dezember 2030. Eisenbahn-Beschäftigte fürchten nun um ihre Arbeitsplätze. Bild: dpa

Die geplante Vergabe des Nürnberger S-Bahn-Betriebs an eine britische Firma sorgt weiter für Wirbel. Die SPD wirft der Staatsregierung den Ausverkauf bayerischer Interessen vor. National Express Rail kündigt unterdessen an, weitere Strecken in Deutschland gewinnen zu wollen.

Bei der Vergabe des Nürnberger S-Bahn-Betriebs an eine britische Firma hat die SPD der Staatsregierung den Ausverkauf bayerischer Interessen vorgeworfen. "In Nürnberg hat sie bereits Tür und Tor geöffnet für Dumpinglöhne. Bei den 700 Eisenbahnbeschäftigten in Nürnberg geht nun die Angst um", kritisierte SPD-Landeschef Florian Pronold am Samstag.

85 000 Fahrgäste betroffen

In Nürnberg betroffen sind nach Gewerkschaftsangaben 500 bis 700 Beschäftigte, die Bahn spricht von 450 Mitarbeitern. Die vier Nürnberger S-Bahn-Linien werden jeden Tag von durchschnittlich 85 000 Fahrgästen genutzt. Auch der S-Bahn-Verkehr in München wird demnächst ausgeschrieben. "Es muss Schluss sein mit dem Ausschreibungswahnsinn im Schienenpersonennahverkehr", erklärte Pronold weiter. Bei künftigen Ausschreibungen müssten bestehende Tarifverträge zur Grundbedingung gemacht werden. Ein Tariftreuegesetz und ein Vergabegesetz in Bayern seien überfällig.

Die Bayerische Eisenbahngesellschaft hatte am Montag mitgeteilt, dass die britische National Express Rail GmbH den Zuschlag für den Betrieb des S-Bahn-Verkehrs im Großraum Nürnberg von Dezember 2018 bis Dezember 2030 erhalten soll. Die Entscheidung gleicht einem Paukenschlag. Das Unternehmen ist damit der erste private Betreiber eines größeren S-Bahn-Netzes in Deutschland.

Bisher kleinere Strecken

Für einige kleinere Regionalverbindungen in Nordrhein-Westfalen hat die deutsche Tochter des börsennotierten britischen Unternehmens bereits den Zuschlag bekommen: die Linien RE7 Krefeld-Köln-Rheine und RB 48 Wuppertal-Solingen-Bonn. National Express will diese Linien Ende 2015 starten.
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