Staatsanwaltschaft legt keine Revision im Auschwitz-Prozess ein, die Verteidigung schon
Fall Gröning: Strafe "vertretbar"

Hans Holtermann. Bild: dpa
Die Staatsanwaltschaft legt - anders als die Verteidigung - keine Revision gegen das Lüneburger Urteil ein. Das Landgericht Lüneburg hatte den 94-jährigen Oskar Gröning wegen Beihilfe zum Mord in 300 000 Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt. Die Anklage halte das Urteil für vertretbar, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hannover, Kathrin Söfker, am Mittwoch.

Das Gericht hatte den früheren SS-Mann verurteilt, weil er mit seiner Tätigkeit im Konzentrationslager zum Funktionieren der Tötungsmaschinerie beigetragen habe. Vor Gericht hatte der Angeklagte eine Mitschuld am Holocaust eingeräumt. Gegen Gröning war schon 1977 ermittelt worden, das Verfahren wurde aber später eingestellt. Eine Verurteilung wäre also schon viel früher denkbar gewesen. Wegen dieser Verfahrensverzögerung bei den Ermittlungen hatte die Anklage in ihrem Plädoyer einen Strafrabatt angeregt. Söfker sagte, es sei für die Anklage vertretbar, dass das Gericht die Verfahrensverzögerung nicht berücksichtigt habe.

Verteidiger Hans Holtermann hatte als Revisionsgrund neben der Verfahrensverzögerung außerdem Grönings Rolle als Kronzeuge in Verfahren gegen andere SS-Männer genannt. Damit habe er zur Verurteilung von KZ-Tätern beigetragen. Neben der Verteidigung hat auch ein Nebenkläger-Anwalt Revision mit der Begründung eingelegt, dass Gröning nicht wegen Beihilfe, sondern wegen Mordes verurteilt werden müsse.

Bis der Bundesgerichtshof (BGH) über eine Revision entscheidet, dauert es voraussichtlich etliche Monate.
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