Stadtrat "rasiert" Regionalbibliothek
Schrumpfkur für Erfolgsmodell

Bild: Petra Hartl

Jetzt geht's ans Eingemachte. Selbst langjähriger Erfolg schützt nicht vor Kürzungen. Allen Warnungen zum Trotz "rasiert" der Stadtrat die Regionalbibliothek. Die Folgen sind nicht absehbar.

Weiden. (rg) Der Rat der "Regi"-Chefin war nicht gefragt. Mehrmals meldete sich Sabine Guhl in der Stadtratssitzung, doch das Rederecht erhielt sie nicht - auch einer entsprechenden Bitte von Dr. Christian Deglmann (Bürgerliste) wollten die Kollegen nicht Folge leisten. So musste die Leiterin tatenlos zusehen, wie die Stadträte eine neue Ära für die Regionalbibliothek einläuteten: Die "Regi", bundesweit bisher schon eine der teuersten Bibliotheken für die Nutzer, soll ab 1. Januar noch teurer werden. Vergeblich warnte Dezernent Reiner Leibl davor, dass das "Geschäft" einbrechen könnte.

Mit seinem Verdacht hielt Leibl nicht hinterm Berg: Die Politik wolle die Einrichtung wohl "schrumpfen", ohne dies deutlich zu sagen. Unstrittig war dabei eine neue Gebührenordnung, die bereits eine Anhebung der Beiträge vorsieht (siehe Grafik unten) - zum Beispiel beim Basistarif für Erwachsene um 5 auf 20 Euro pro Jahr. An die Stelle des Pro-Libris-Modells tritt eine "Premium-Card" für 40 Euro jährlich (bisher 32,50 Euro). Mit weitergehenden Ideen warteten die Stadträte auf: etwa zusätzlich 50 Cent für jedes ausgeliehene Medium zu verlangen oder die Ausleihmenge auf fünf Medien zu begrenzen (siehe Info-Kasten).

Erhöhter Aufwand

"Der Verbraucher akzeptiert das nicht", vermutete der Dezernent in der Sitzung zum 50-Cent-Vorschlag. Zudem ziehe dieser wieder mehr Verwaltungsaufwand nach sich. Eben den will die Regionalbibliothek nach der Umbaupause ab 1. Dezember verringern: Kassen- und Ausleihautomaten sollen den Abbau von 1,5 Stellen ermöglichen - eine Einsparung von voraussichtlich etwa 60 000 Euro pro Jahr. Erhöhten Verwaltungsaufwand befürchtet Leibl zudem im Zuge der Beschränkung auf fünf Medien pro Ausleihe: "Der Kunde schlägt öfter auf." Einen weiteren Schließtag (neben Montag) beurteilte der Dezernent gleichfalls skeptisch: Die Einsparung würde lediglich 6200 Euro pro Jahr betragen.

Ein Verwaltungsbericht, an dem SPD-Fraktionsvorsitzender Roland Richter kein gutes Haar ließ. Er habe erwartet, dass die Vorschläge der Stadträte in die neue Satzung eingearbeitet werden, betonte der Genosse: "Sie waren Ausdruck des politischen Willens, keine Fragen. Wir wollen, dass das umgesetzt wird." Erhebliche Zweifel äußerte Richter an den Folgen der einzelnen Maßnahmen, so wie Leibl sie dargestellt hatte. Überhaupt: Der Dezernent gebe den Politikern das Gefühl, "sobald ihr etwas macht, wird es schlechter".

An den Zuschussbedarf der Regionalbibliothek (etwa 800 000 Euro pro Jahr) erinnerte CSU-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Pausch. Die Einrichtung in der jetzigen Form könne sich Weiden nicht mehr leisten. Deshalb brauche es neue Wege. "Ich sehe keine Veränderungsbemühungen in irgendeine Richtung", klagte auch Markus Bäumler (CSU). Unbeirrt bekräftigte Leibl: "Wir werden Schiffbruch erleiden." Und: "Wir werden Ihnen nicht erzählen, dass der Schnee schwarz ist, wenn wir es anders sehen." Erhebliche Kostenfaktoren bei der "Regi" seien der Gebäudeunterhalt und - laut Regierung der Oberpfalz - die Tatsache, dass 50 Prozent der Nutzer Nicht-Weidener sind. Pausch verwahrte sich dagegen, dass Leibl aus dem Entwurf des Prüfberichts zitiert, so lange er den Fraktionen noch vorliegt.

Auswirkungen unklar

Gisela Helgath (Grüne) stellte die Frage, ob die Bibliothek unbedingt auch Konsolenspiele und Filme anbieten müsse. Ja, meinte Heiner Vierling (CSU): "weil sie Gebühren bringen". Veit Wagner regte an, beim Wein-Lese-Fest künftig eine Art Eintrittspreis zu verlangen: "einen ,Button für Bücher' für drei Euro". Teil der Satzung ist der natürlich nicht. Im Gegensatz zu den Anregungen der Fraktionen. Eine Diskussion darüber, wie sich die Vorschläge der Politiker auswirken, blieb aus.

Auf Drängen der Bürgerliste ließ Oberbürgermeister Kurt Seggewiß darüber abstimmen, ob er "Regi"-Leiterin Guhl das Wort erteilen sollte. Gerade mal sechs Räte waren dafür. Einstimmig erteilte das Gremium dagegen den Auftrag, die markanten Änderungswünsche in die neue Satzung einzuarbeiten.
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